Elektronische Hilfsmittel wie Apps, Softwareprogramme und Social Media-Plattformen statt theoretischer Infos in Handbüchern. Die Haufe Gruppe, ehemals als Fachverlag bekannt für seine Loseblattsammlungen, stellte schon vor einem Vierteljahrhundert das eigene Unternehmenskonzept auf den Prüfstand. Früher als andere ahnten die Freiburger, dass das traditionelle Geschäftsmodell wegzubrechen droht. Tatsächlich änderte sich in den vergangenen Jahren das Mediennutzungsverhalten – es wurde schneller, mobiler und interaktiver. Doch Haufe war gewappnet, hatte rechtzeitig das Produktportfolio um digitale Arbeitsplatzlösungen erweitert und sich so neue Geschäftsfelder erschlossen. Der Wandel war so radikal, dass Haufe heute 95 Prozent des Umsatzes mit digitalen Produkten erwirtschaftet. „Wer in seinem Unternehmen nicht nur Prozesse digitalisiert, sondern wie Haufe das Unternehmen inklusive seiner Firmenkultur transformiert, sich also komplett neu erfindet, der gehört in die Königsklasse der Digitalisierung“, stellt Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland, klar. Solche Unternehmen hätten früher als andere erkannt, dass ihr traditionelles Geschäftsmodell endlich ist, die Digitalisierung ihnen aber neue Chancen bietet. Grund genug für Rickman und die weiteren Mitglieder der Jury, das Unternehmen mit dem Digital Champions Award 2017 in der Kategorie „Digitale Transformation Mittelstand“ auszuzeichnen.

Hagen Rickmann begrüßte die Gäste des Digital Champion Awards 2017. Digitalisierung vor großem Publikum: Hagen Rickmann begrüßte die Gäste des Digital Champion Awards 2017. (© 2017 Deutschmann Telekom )

Den Digital Champions Award haben Telekom und WirtschaftsWoche nun schon zum zweiten Mal verliehen und ihre Preisträger in der Berliner Hauptstadtrepräsentanz der Telekom vor viel Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft und einem digitalen Ambiente aus Robotern, Flugsimulator und Microsoft HoloLens-Brillen gefeiert.

Augmented Reality-Brillen als Einladung in die Zukunft. Augmented Reality-Brillen als Einladung in die Zukunft. (© 2017 Deutschmann Telekom )

Digitale Vorbilder für die eigene Branche

Ob Preisträger oder Finalist – die vielen Teilnehmer am diesjährigen DCA machten gemeinsam deutlich: Es tut sich was in der Unternehmenswelt, die Zeichen stehen vielerorts auf Transformation. Fast drei Viertel der mittelständischen Firmen, so ergab der Digitalisierungsindex Mittelstand von Telekom und Techconsult, hält die digitale Transformation für bedeutend – für das eigene Unternehmen wie für die eigene Branche. Das liegt, so Hagen Rickmann, auch an Vorbildern wie den frisch gekürten Champions. „Sie hatten keine Angst vor dem digitalen Wandel. Sie haben nicht lange und umständlich einen digitalen Masterplan entwickelt. Sondern sich lieber Etappenziele gesetzt und gleich losgelegt.“

Mit ICAROS mal eben schnell abheben: Ein Münchner Startup entwickelte ein neues Sportgerät, mit dem man virtuell in die Luft geht. Mit ICAROS mal eben schnell abheben: Ein Münchner Startup entwickelte ein neues Sportgerät, mit dem man virtuell in die Luft geht. (© 2017 Deutschmann Telekom )

Auf vielen Wegen zum digitalen Ziel

So wie Rödl & Partner: Die Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vernetzte ihre 106 Standorte in aller Welt mit einer Private Cloud – und hatte dabei vor allem das Wohl der Kunden im Sinn. Länderübergreifende Plattformen schaffen nicht nur mehr Sicherheit für die sensiblen Mandantendaten, sondern stellen auch ganz neue Services bereit – wie zum Beispiel für Kunden aus dem Facility Management, die dort alle Regelwerksinfos finden. Rödl & Partner setzte sich damit in der Kategorie „Digitales Kundenerlebnis“ durch.

Vorreiter wie die Haufe Gruppe oder Rödl & Partner seien für ihre Branche auch deshalb zur Nachahmung dringend empfohlen, so Rickmann, weil sie längst ihre digitale Dividende einführen. Sie arbeiten produktiver, erzielen mehr Umsatz, haben die Zusammenarbeit optimiert und ihren Kundenservice verbessert. Mehr Sicherheit für Anlagen und Daten haben sie mit der Transformation noch obendrein erreicht. Das gilt auch für Endress+Hauser Messtechnik. Der Preisträger der Kategorie „Digitale Produkte und Dienstleistungen“ hat die neue Sensortechnologie Memosens entwickelt, mit der pH-Messwerte digitalisiert und kontaktlos weitergegeben werden können. Diese innovative Technologie verbindet die Welt des Digitalen mit der Welt der Physik und hilft den Kunden, die Umwelt zu schonen. Eingesetzt wird Memosens zum Beispiel in Kläranlagen oder in den Lackierereien der Autoindustrie.

Champions sind digitale Vorreiter ihrer Branche

Unternehmen wie Endress+Hauser Messtechnik oder die TAKKT AG, der vierte Preisträger, seien „Vorkämpfer für die gesamte Branche“, sagt Prof. Dr. Miriam Meckel, Herausgeberin der WirtschaftsWoche. Macherinnen und Macher, bei denen der Wandel nicht angstbesetzt sei, sondern ein Synonym für „Aufbruch und Fortschritt“. Die TAKKT AG siegte in der Kategorie „Digitale Prozesse und Organisation“: Der Zusammenschluss von B2B-Versandhändlern, der sich auf Geschäftsausstattungen spezialisiert hat, macht vor, wie man eine konsequente Multi-Channel-Strategie umsetzt – und damit für die Kunden immer und überall erreichbar ist.

Zum „Digitalisierungsmacher 2017“ wurde Dr. Jörg Mittelsten Scheid gekürt. Laudator Dr. Wladimir Klitschko zeigte sich vom „jugendlichen Geist, der Disziplin und der Erfahrung“ des langjährigen Vorstandschefs und heutigen Ehrenvorsitzenden des Beirats des Haushaltsgeräte-Herstellers Vorwerk sehr beeindruckt. Mittelsten Scheid habe immer auf den Faktor Mensch gesetzt und sei als Unternehmer mit „Ausdauer, Beweglichkeit, Konzentration und Koordination“ tätig gewesen. „Das Wichtigste aber: Sie haben erkannt, dass Ihre besten und wichtigsten Weggefährten Ihre Mitarbeiter sind, und haben sie für die Digitalisierung begeistert.“

So sehen Sieger aus: die Preisträger des Digital Champion Awards 2017. So sehen Sieger aus: die Preisträger des Digital Champion Awards 2017. (© 2017 Deutschmann Telekom )

Der Preisträger nutzte früher als andere die Chancen der Digitalisierung. Sein bekanntestes Transformationsrezept: die Neuerfindung der Küchenmaschine. Denn auch der Thermomix fing mal analog an, ehe er sich zum digitalen Kultprodukt mauserte. Digitalisierung sei, so Mittelsten Scheid, nie das Ziel, sondern immer nur der Weg dahin. „Das eigentliche Ziel heißt Innovation.“

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