Digitalregion Hessen? Diese Kombination liegt nicht unbedingt nahe. Dabei steht das mitteldeutsche Bundesland im gesamtdeutschen Vergleich gar nicht einmal schlecht da: Laut des „Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL: Hessen“ im Auftrag des hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung erkennen hessische Unternehmen die Bedeutung der Digitalisierung besonders deutlich. 48 Prozent der Studienteilnehmer halten die Digitalisierung für äußerst oder sehr wichtig; bundesweit sind es nur 36 Prozent. Zudem geben in Hessen 32 Prozent der Befragten an, dass die Digitalisierung einen äußerst oder sehr starken Einfluss auf den Geschäftserfolg hat, während dies gesamtdeutsch nur 24 Prozent sagen. Dementsprechend ist auch die Investitionsbereitschaft in Digitalisierungsprojekte in Hessen höher als bundesweit: Bei 32 Prozent hessischer Unternehmen ist die Ausgabebereitschaft sehr hoch, bundesweit bei nur 28 Prozent.

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Hessischer Mittelstand besonders digital

Der in der Umfrage erhobene Wirtschaftsindex DIGITAL zeigt, dass insbesondere der hessische Mittelstand beim Thema digitale Transformation gut dasteht und sogar das Bundesniveau in den nächsten fünf Jahren deutlich übertreffen soll. Die hessischen Finanz- und Versicherungsdienstleister haben im Vergleich sogar einen Vorsprung.

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Die Teilnehmer der Plenumsdiskussion: Maria Rieping (Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung), Dr. Frank Biendara (Deutscher Fußball Bund), Prof. Dr. Peter Holm (Provadis Hochschule), Jürgen Veith ( IOT Venture GmbH), Christian Preiser (Chefredakteur Markt und Mittelstand) und Moderatorin Alexandra von Lingen. Die Teilnehmer der Plenumsdiskussion: Maria Rieping (Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung), Dr. Frank Biendara (Deutscher Fußball Bund), Prof. Dr. Peter Holm (Provadis Hochschule), Jürgen Veith ( IOT Venture GmbH), Christian Preiser (Chefredakteur Markt und Mittelstand) und Moderatorin Alexandra von Lingen. (© 2018 Telekom)

Doch auf diesen Erfolgen sollte sich niemand ausruhen. Deshalb diskutierten auf dem regionalen Digitalisierungsevent DIGITALMIDWEST Entscheider aus Politik und Wirtschaft darüber, wie sie die Digitalisierung in der Region vorantreiben können. Die Telekom hat die Veranstaltungsreihe DIGITALX, zu der das Event am 12. Juni gehört, ins Leben gerufen, um die Bildung lokaler Netzwerke zu fördern und Unternehmer zu inspirieren. Ein Highlight der Veranstaltung in Offenbach war die Podiumsdiskussion mit illustren Teilnehmern: Maria Rieping vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft Energie, Verkehr und Landesentwicklung, Dr. Frank Biendara vom Deutschen Fußball Bund, Prof. Dr. Peter Holm von der Provadis Hochschule, Jürgen Veith von der IOT Venture GmbH und Christian Preiser, Chefredakteur von Markt und Mittelstand.

Im guten Mittelfeld der Digitalisierung

„Ich denke, wir sind hier in Hessen gut gerüstet für die Digitalisierung“, eröffnet Maria Rieping, die die Technologiepolitik des Lands Hessens verantwortet, die Runde. „Wir sind eines der ersten Bundesländer, die das Thema strategisch begleitet haben.“ Und das zeige auch Erfolge: So habe beispielsweise der Digitalverband Bitkom Darmstadt als Digitalstadt ausgezeichnet; in Frankfurt gebe es den schnellsten Internetknoten der Welt. Zudem habe Hessen bereits sehr gute infrastrukturelle Voraussetzungen, etwa was Breitband-Ausbau beträfe: Hessenweit haben 84 Prozent Privathaushalte Zugang zu schnellem Internet mit 50 Mbit pro Sekunden, bei Gewerbeanbindungen sei es noch mehr. „Wir sind im guten Mittelfeld, was Digitalisierung von Unternehmen betrifft; es gibt aber noch einiges zu tun“, so Rieping.

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Auch Christian Preiser sieht die Lage recht positiv: „Ich bin immer skeptisch, was Verallgemeinerungen angeht.“ Den Vorwurf, der Mittelstand habe die Digitalisierung verschlafen, komme häufig von Leuten mit spezifischer Agenda. „Der Mittelstand ist nicht so tumb und so weit hinterher, wie häufig behauptet wird. Er macht nur nicht so ein Bohei darum“, sagte Preiser.

Platz für Digitalisierung auf der DIGITAL MIDWEST. Platz für Digitalisierung auf der DIGITAL MIDWEST. (© 2018 Telekom)

Digitale Produkte für digitale Geschäftsmodelle

Regionale Netzwerke bilden

Offenbach war das letzte der regionalen Digitalisierungsevents, die die Telekom mit der Reihe DIGITALX ins Leben gerufen hat. Was jetzt noch kommt? Die große Abschlussveranstaltung DIGITALSUMMIT am 7. und 8. November in Köln, auf der unter anderem die deutschlandweiten „Digital Champions“ gekürt werden. Alle Gewinner der regionalen Digital Champions Awards qualifizieren sich automatisch für die Endausscheidung.

Telekom und WirtschaftsWoche küren Sieger in vier Kategorien:

  • Digitale Transformation Mittelstand
  • Digitales Kundenerlebnis
  • Digitale Produkte und Dienstleistungen
  • Digitale Prozesse und Organisation

Zusätzlich wird der Sonderpreis „Digitalisierungsmacher“ vergeben.

Bewerbungen können bis zum 22. Juni eingereicht werden.

Gute Beispiele für bereits erfolgreiche Digitalisierung brachten die beiden Diskussionsteilnehmer Jürgen Veith von der IOT Venture GmbH Dr. Frank Biendara vom Deutschen Fußball Bund. Ersterer berichtete von der Strategie seines Unternehmens „Everything is connected“: „Wir bringen Dinge ins Internet und legen damit den Grundstein für digitale Geschäftsmodelle“. Denn ohne digitale Produkte könne es keine digitalen Geschäftsmodelle geben. So vernetzt die IOT Venture GmbH etwa E-bikes und ermöglicht so, das Fahrrad bei Diebstahl wiederzufinden. Das ermöglicht neue Versicherungstarife oder sogar Bike-Sharing-Modelle.

Der DFB habe digitale Lösung für zwei große Bereiche: die Nationalmannschaft und den Amateursport. Während letzteres vor allem auf die klassischen Digitalisierungsfelder wie Prozessoptimierung oder digitale Services setze, habe die Nationalmannschaft ganz spannende digitale Produkte. „In Russland nutzen wir etwa eine App, mit der die Co-Trainer auf der Tribüne mit Jogi Löw kommunizieren können“, so Biendara. „Jemand wie Marcus Sorg gibt dann etwa in die App ein, dass der Gegner mit Viererkette spielt und sie schlägt ihm mögliche Gegenstrategien vor.“

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Voraussetzungen schaffen

Das für die Digitalisierung benötigte Know-how verändere sich rasend schnell, meinte Peter Holm, Professor der Provadis Hochschule. Mit praxisnaher Lehre und als Plattform für den Austausch zwischen Studenten, Startups und Mittelständlern will seine Einrichtung dazu beitragen, Hessen digital voranzubringen. Auch die Politik tue Einiges: „Um denen zu helfen, die noch nicht soweit sind, haben wir ein dreistufiges Instrumentenset entwickelt“, sagte Maria Rieping. Ein kostenloser DigiCheck, eine von der EU geförderte Beratung sowie ein Zuschuss zu Umsetzungsmaßnahmen wie Soft- oder Hardware solle Unterstützung und Anreiz zugleich für Unternehmen sein, sich zu digitalisieren.