Pragmatischer Wandel

Aufträge mit Tablets statt am Klemmbrett bearbeiten, Formulare scannen statt Papierlisten abzuhaken: Jäger Direkt, mittelständischer Produzent und Händler von Elektrobauteilen in Heppenheim, stellt auf Digital um. Ähnlich geht Schweißtechnik-Spezialist Technolit aus Fulda vor und digitalisiert die Prozesse seines Außendienstes. Ab sofort ist der umfangreiche Produktkatalog von Technolit auf dem Tablet abrufbar.

Neuheiten und Produkt-Updates mussten früher per Einzeldruck nachgereicht werden. Heute werden die Infos per Knopfdruck auf alle Systeme verteilt. Aufträge erfassen die Mitarbeiter digital und leiten sie ohne Medienbruch im System zur Bearbeitung weiter.

Digitalisierungsindex Mittelstand Der deutsche Mittelstand hat im vergangenen Jahr bei seiner digitalen Transformation deutliche Fortschritte gemacht. Zu diesem Ergebnis kommt die Neuauflage des „Digitalisierungsindex Mittelstand“. (© 2018 Digitalisierungsindex Mittelstand)

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Schneller, besser, effizienter

So wie Jäger Direkt oder Technolit arbeiten viele Mittelständler konsequent am Projekt Zukunft. „Der digitale Wandel ist in den Unternehmen angekommen“, bestätigt Thorsten Dirks, Präsident des Digitalverbands Bitkom. „Er wird heute wie jede andere unternehmerische Aufgabe wahrgenommen und sehr praktisch angegangen“, sagt er. Einen Leitfaden mit Checkliste hat der Verband für Unternehmen erarbeitet (siehe Kasten am Textende).

Digitalisierungs- index Mittelstand
  • Unternehmen, die 2016 mehr Umsatz machten, wiesen einen höheren Digitalisierungsindex von 57 Punkten auf.
  • Unternehmen mit stagnierenden oder rückläufigen Umsätzen kommen dagegen auf einen niedrigeren Indexwert von durchschnittlich 47 Punkten.
  • 42 Prozent der Unternehmen haben das Thema Digitalisierung fest in der Geschäftsstrategie verankert. Ein deutlicher Anstieg, denn ein Jahr zuvor war das erst bei 27 Prozent der Fall.
  • 63 Prozent der Unternehmen haben die Digitalisierung zur Chefsache gemacht.

Sehr viele Mittelständler sind bereits auf einem guten Weg: Nach Umfragen von Bitkom Research unter 504 Geschäftsführern und Vorstandsmitgliedern von Unternehmen ab 20 Mitarbeitern folgen drei Viertel von ihnen einer ausgeklügelten Digitalstrategie. Jedes zweite Unternehmen hat bestehende Produkte oder Dienstleistungen digital angepasst, mehr als ein Drittel hat gar Innovationen entwickelt und auf den Markt gebracht.

Dass der deutsche Mittelstand in Sachen Digitalisierung in allen Branchen große Fortschritte macht, belegt ebenfalls die Neuauflage des Digitalisierungsindex Mittelstand 2017 im Auftrag der Telekom. Rund 2.000 kleine und mittlere Unternehmen befragte das Beratungsunternehmen techconsult über den Stand ihrer digitalen Entwicklungen. Die Analyse bezog sich auf vier Kernfelder: Kundenbeziehungen, Produktivität im Unternehmen, digitale Angebote sowie Sicherheit und Datenschutz.

Digitaler Mehrwert

Wichtiges Ergebnis: Deutsche Unternehmen bauen die Digitalisierung Jahr für Jahr konsequent aus. Sie verbuchen mehr Absatz und Umsatz, gewinnen neue Kunden und reduzieren ihre Kosten. Die Studie zeigt: Bereits einzelne digitale Maßnahmen führen zu messbaren Erfolgen. Im Kundenservice werden Anfragen digital verarbeitet, um besser zu verstehen, was Konsumenten wollen. Auf diese Weise profitieren Online-Shops, die dank intelligenter Algorithmen ihrer Kundschaft die passenden Produkte zu ihren bisherigen Einkäufen vorschlagen können.

Zentrallager Technolit Vom Zentrallager in Großenlüder bei Fulda verschicken Technolit-Mitarbeiter täglich rund 3500 Pakete. Dank digitalisierter Prozesse werden rund 85 Prozent der Pakete und Sendungen innerhalb von 24 Stunden ausgeliefert. (© 2018 Manuel Hauptmannl )

Vorsprung durch IT-Technik

Auffällig ist, dass der Transformationserfolg eng mit moderner IT-Technik verknüpft ist. Wer also seine technische Basis modernisiert und für Informationssicherheit, hohen IT- sowie Datenschutz sorgt, profitiert nachhaltig. 80 Prozent der Unternehmen, die mit professionellen Datenbanken arbeiten, fahren zum Beispiel mehr Umsatz ein. 77 Prozent können die Kundenbindung steigern.

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Bei der digitalen Transformation geht es einerseits um die Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Das gelingt Unternehmen, wenn sie Abteilungsgrenzen und Informationssilos einreißen und eine einheitliche Datenbasis etablieren. Mit cloudbasierten und vernetzten Systemen können Unternehmen ihre Effizienz steigern, ihre Produktivität erhöhen, ihre Kosten senken und bessere Leistungen erbringen. 75 Prozent der Unternehmen können mit Cloud-Lösungen ihre internen Prozesse insgesamt effizienter gestalten, besagt der Digitalisierungsindex.

Ihre Produktivität erhöhen die Unternehmen mit mobilen Arbeitsmöglichkeiten, mit durchgängig automatisierten Prozessketten, mit Cloud-Services oder Big Data. Wer die Vorteile der Wolke nutzt, profitiert mehrfach. Mit cloudbasierten und vernetzten Systemen, bestätigt der Digitalisierungs-Index, können Firmen Kosten senken und trotzdem mehr Leistung erbringen.

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Digitalisierung in Unternehmen Bei der Entwicklung neuer Produkte, Services sowie neuer Geschäftsmodelle halten sich die deutschen Mittelständler eher noch zurück. (© 2018 Bitkom)

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Sieben Tipps zur Digitalisierung

Wie sollen Unternehmen vorgehen? Der Praxisleitfaden des Digitalverbands Bitkom gibt Mittelständlern eine Checkliste. Ein Auszug:

  • 1. Digitalisierung zur Chefsache machen: Es gilt, gemeinsam mit den Mitarbeitern Neues zu probieren und die Digitalisierung strategisch zu begleiten.
  • 2. Digitalteam aufstellen: Es besteht aus den besten Mitarbeitern vieler Bereiche und Hierarchieebenen und sollte mit ausreichend Zeit und Mitteln ausgestattet sein.
  • 3. Digitalstrategie entwickeln: Ein Digitalteam oder den CDO (Chief Digital Officer) mit der Analyse beauftragen, welche Prozesse und Bereiche des Unternehmens digitalisiert werden könnten, und eine Digitalstrategie entwickeln.
  • 4. Big Data nutzen: Big Data unterstützt die Gewinnung und Nutzung entscheidungsrelevanter Erkenntnisse aus unterschiedlich strukturierten Informationen.
  • 5. Über den Tellerrand schauen: Die Beispiele von Amazon, Airbnb oder Uber zeigen, dass der Wettbewerb heute deutlich breiter aufgestellt ist. Wichtig daher, die Entwicklungen und Innovationen von digitalen Plattformen zu beobachten und zu analysieren.
  • 6. Mit Startups kooperieren: Sie entwickeln permanent neue Technologien, die zum eigenen Geschäftsmodell passen.
  • 7. Den Kunden in den Mittelpunkt stellen: Die Nähe zum Kunden nutzen und mit ihm sowie Partnern digitale Lösungen entwickeln.