Digitalisierungs-index Mittelstand 2017

 

Für die zweite Auflage der Telekom Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand“ hat das Analyse- und Marktforschungsunternehmen techconsult diesen Sommer rund 2.000 Unternehmen zu ihren Digitalisierungsaktivitäten befragt. Aus den Antworten berechneten die Analysten den Digitalisierungsindex. Dieser zeigt auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten, wie weit die digitale Transformation in einem Unternehmen vorangeschritten ist. Der Index zeigt: Nach wie vor gibt es in deutschen Unternehmen in Sachen digitale Transformation unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeiten – diese hängen vor allem von der Größe der Firmen und ihrer Branchenzugehörigkeit ab. Auf www.digitalisierungsindex.de finden sich der Gesamtstudienbericht und Teilstudien für zwölf Branchen. Ein weiterer Bericht nimmt die digitalen Vorreiter unter die Lupe.

 

Die Ergebnisse des Digitalisierungsindex bilden die Basis für den Self-Check, mit dessen Hilfe interessierte Unternehmen den eigenen Digitalisierungsgrad in wenigen Minuten ermitteln können. Das kostenfreie Online-Tool findet sich auf dem Studienportal www.benchmark.digitalisierungsindex.de. Der Self-Check erlaubt auch den Wettbewerbsvergleich mit Unternehmen derselben Größe und Branche.

1. Digitalisierung

Die digitale Transformation im eigenen Betrieb steht für 42 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland ganz oben auf der Agenda. Das geht aus dem „Digitalisierungsindex Mittelstand“ der Telekom vom November 2017 hervor (siehe Kasten). Immer mehr erkennen, dass Innovation und Geschäftserfolg entscheidend vom Grad der Digitalisierung im Betrieb abhängen. Dabei setzen die Unternehmen bei der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle, dem Erkennen von Trends und dem Einsatz neuer Technologien zunehmend auf Kooperationen mit Startups – auch aus Kostengründen.

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2. Blockchain: Element der digitalen Transformation

Berater sind sich sicher, und zahlreiche Unternehmensbeispiele belegen es in der Praxis: Die Zahl der Blockchain-basierten Geschäftsmodelle steigt rasch und stetig. Treiber ist in erster Linie die Reduktion von Prozesskosten – Berechnungen gehen von 20 bis 60 Prozent aus. Dabei geht es den Unternehmen vor allem um den Einsatz der Blockchain-Technologie als Zertifikator von Smart Contracts. Vor allem Unternehmen in der Energiebranche probieren neue digitale Geschäftsmodelle mit Blockchain-Unterstützung: So arbeiten der Strom-Übertragungsnetzbetreiber Tennet und der Anbieter von Photovoltaik-Heimspeichern Sonnen gemeinsam an der Netzstabilisierung. Strom aus erneuerbaren Energien soll dann verfügbar sein, wenn er benötigt wird. Oder Slock.it: Das Startup hat ein Ladegerät entwickelt, das die Digitalisierung der Elektromobilität vorantreiben kann. Es sieht aus wie ein Reiseadapter und passt in jede normale Steckdose.

Mit der Blockchain-Technologie schreitet die digitale Transformation Wirtschaft und Verwaltung voran. Dabei geht es vor allem um den Einsatz als Zertifikator von Smart Contracts. Mit der Blockchain-Technologie schreitet die digitale Transformation in Wirtschaft und Verwaltung voran. Dabei geht es auch um den Einsatz als Zertifikator von Smart Contracts. (© 2017 GettyImages)

3. Innovation aus dem 3D-Drucker

Die Geschwindigkeit, mit der Innovationen neue Fertigungsverfahren vorantreiben, ist atemberaubend. Inzwischen kommen nicht nur Metall- oder Kunststoffobjekte aus dem 3D-Drucker, sondern auch organisches Material. Dies wird unter anderem die Medizin- und die Umweltbranche revolutionieren: Schweizer Forscher haben jetzt ein Hydrogel mit verschiedenen lebenden Bakterien entwickelt: Damit können beispielsweise Wundverbände bei Brandverletzungen und Filter nach Ölkatastrophen hergestellt oder der Nachweis von Giftstoffen im Trinkwasser erbracht werden. Ein Trend mit gewaltigem Zukunftspotenzial.

3-D-Drucker: Metall- oder Kunststoffobjekten aus dem 3-D-Drucker gehört bereits länger zum Fertigungsprozess. Jetzt kann auch organisches Material gedruckt werden. 3D-Drucker: Metall- oder Kunststoffobjekte aus dem 3D-Drucker gehören bereits länger zum Fertigungsprozess. Jetzt kann auch organisches Material gedruckt werden. (© 2017 GettyImages)

4. Augmented Reality: Digitalisierung in der Baubranche

Innovationsschub durch erweiterte Realität auf Baustellen: Der „Auto AR“ Demonstrator mischt die Baubranche auf. Die Hardware- und Softwarelösung des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik kann in wenigen Minuten auf ein Auto montiert werden. Die Ortsdaten des Fahrzeugs werden in Echtzeit mit dem digitalen Modell verbunden. Ausgestattet mit einer VR-Brille, kann der Beifahrer digital in das Modell eintauchen und sich mithilfe des Autos zu jeder gewünschten Position im Baugebiet fahren lassen. So lassen sich mit der Digitalisierung geplante Veränderungen an bestehenden Gebäuden oder auch Gebäudemodelle auf Baugrundstücken einblenden.

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5. Profi-Multikoptersysteme – Innovationen bei der Wartungstechnik

Inspektionen von Industrieanlagen sind vorgeschrieben und kosten viel Geld – bisher. Ein Drohneneinsatz senkt nicht nur die Kosten erheblich, sondern kann auch der perfekte Einstieg für Unternehmen in die Digitalisierung der Wartungs- und Reparaturprozesse sein. Die Hightech-Fluggeräte sind unter anderem mit Spiegelreflex-, Wärmebildkamera oder Laserscanner ausgestattet und können nicht nur oberflächliche Auffälligkeiten entdecken, sondern auch Unregelmäßigkeiten im Inneren der Anlagen. Plattformen wie ucair vermitteln diese Inspektionsdienstleistung. Das Startup nutzt ein Netzwerk von Drohnenpiloten in ganz Deutschland und bietet sie über die eigene Plattform an. Bei Spectair geht man davon aus, dass bald autonome Drohnen unterwegs sind und die Anlagen mit Radar, Ultraschalltechniken sowie 3D-Erkennung in Echtzeit inspizieren. Die digitale Transformation gibt auch hier den Takt vor.

6. Arbeit 4.0 – Breitband

Die digitale Transformation in den Unternehmen hängt an der schnellen Bereitstellung einer leistungsstarken Breitband-Infrastruktur. Maschinen und Fertigungsstraßen müssen an das Internet angebunden und miteinander vernetzt werden. Sie sollen als selbst lernende Einheiten die Produktion mithilfe von Codes und Künstlicher Intelligenz automatisieren. Verlockende Aussichten – dennoch ist beim flächendeckenden Ausbau noch einiges zu tun, besonders in strukturschwachen Regionen. Experten des Breitbandbüros des Bundes (BBB) haben die Infokampagne Breitband@Mittelstand gestartet, über die sie Hinweise auf den Infrastrukturbedarf der Unternehmen erhalten wollen. Auch die Telekom treibt den Glasfaserausbau voran, unter anderem mit einer Initiative für Gewerbegebiete. Denn für die Unternehmen ist schnelles Internet der Schlüssel zu neuen Geschäftsmodellen und mehr Innovation sowie eine wichtige Voraussetzung für digitale Transformation.

7. Technologie aus dem Silicon Valley

Tesla, eine der Triebfedern der Digitalisierung, hat erneut mit einem gigantischen Projekt auf sich aufmerksam gemacht: Im australischen Adelaide haben die Amerikaner gemeinsam mit dem französischen Energiekonzern Neoen das weltgrößte Batteriesystem in Betrieb genommen. Die Anlage hat eine Gesamtleistung von 129 Megawatt und kann Engpässe bei der Stromversorgung von mehr als 30.000 Haushalten ausgleichen. Das Lithium-Ionen-Akkusystem ist an einen Windpark angeschlossen. Digitale Innovation, made in Down Under.

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