Die vier Propeller klingen beim Start wie ein aufgescheuchter Wespenschwarm. Wenig später gleitet der Quadrokopter entlang eines Steilhangs. Der Pilot am Boden bringt die Drohne per Fernsteuerung präzise in Position und erstellt mit ihren Kameras und Sensoren ein 3D-Modell des Abhangs – Daten, die potenzielle Katastrophen verhindern sollen: Die Deutsche Bahn nutzt die Drohne, um mithilfe der Aufnahmen vorauszusagen, ob und wann an besagtem Abhang ein Erdrutsch drohen könnte. Und um bei Bedarf rechtzeitig einschreiten zu können. Mit einer ähnlichen Methode findet der flinke Bahn-Flieger seit neuestem mit 95-prozentiger Treffsicherheit marode Bäume entlang der Trassen. Die dann gefällt werden, bevor sie beim nächsten Sturm auf die Gleise kippen.

Drohnen, die Leben retten

Mit ihrer innovativen Luftfahrttechnik ist die Deutsche Bahn längst nicht allein. So suchen beispielsweise Landwirte mithilfe von Drohnen Rehkitze, die sich in ihren Feldern verstecken, bevor sie mit ihren Mähdreschern losfahren, um die Ernte einzuholen. Paketdrohnen bringen Medikamente in Gebiete, die auf anderen Wegen nur schwer erreichbar sind. Und selbst Hilfsorganisationen wie UNICEF haben die wendigen Luftfahrzeuge mittlerweile für sich entdeckt: Die Helfer nutzen Drohnen zum Beispiel für Aufklärungsflüge in Südafrika.

„Nach einer Blitzflut wird so manche Piste zum reißenden Fluss, was die betroffenen Gemeinden dann komplett von der Außenwelt abschneidet. Die Drohnen machen es möglich, das Gebiet gefahrlos zu überfliegen und uns von oben ein detailliertes Bild von der Situation zu machen“, schreibt Matthias Boyen von UNICEF in einem Bericht über seinen Einsatz in Malawi. „In Nothilfeeinsätzen nutzen wir die Flugkörper auch, um Blutproben von Kindern zu den Labors zu transportieren und auf HIV zu testen.“

Sinkende Preise, steigende Gefahren

Der Markt für Drohnen wächst rasant: Laut dem IT-Beratungshaus Gartner wird sich das Marktvolumen von aktuell sechs Milliarden US-Dollar in den nächsten drei Jahren auf mehr als elf Milliarden fast verdoppeln. „Der Einsatz von Drohnen bei industriellen Inspektionen, vor allem im Bereich Öl, Gas, Energie, Infrastruktur und Verkehr, wird extrem ansteigen“, schreibt Gartner. „Dieser Bereich wird bis 2020 etwa 30 Prozent des kommerziellen Drohnenmarktes ausmachen.“

Schutzschild gegen unerwünschte Gäste

Die Deutsche Telekom bietet seit Kurzem mit dem Magenta Drohnenschutzschild Abwehr-maßnahmen gegen unliebsame Besucher aus der Luft an – etwa zum Schutz von Fußballstadien, Justizvollzugsanstalten oder Industrieanlagen. In einem vordefinierten Bereich lokalisiert der Schutzschild mithilfe verschiedener Sensoren nicht nur Drohnen, sondern auch ihre Piloten anhand der Funksignale ihrer Fernbedienung. Wie das im Einzelnen funktioniert, demonstriert die Telekom in ihrem Innovation Center in München: „Hier ist jeder eingeladen, uns anzugreifen, und die Technik somit live und hautnah zu erleben“, sagt Markus Piendl, Senior Product Manager Security bei der Telekom. „Wir erkennen jede Drohne, bei jedem Wind und Wetter, hier haben Angreifer keine Chance.“

Neben sinkenden Preisen treibt die immer leichtere Handhabe die Verkaufszahlen der innovativen Flugobjekte nach oben. War das präzise Manövrieren einer Drohne noch vor wenigen Jahren nur mit viel Übung möglich, steuern heute selbst Laien bereits nach wenigen Minuten wie ein Profi.

Was die einen freut, alarmiert Unternehmen und Institutionen – vor allem solche, die sensible Infrastrukturen betreiben. Von Industrie- und Produktionsanlagen über Justizvollzugsanstalten bis hin zu Cloud-Rechenzentren sehen sich Wirtschaft und Staat durch den Drohnentrend mit ganz neuen Gefahren aus der Luft konfrontiert. Neben Betriebsspionage könnten Drohnen für Angriffe missbraucht werden – schließlich sind sie nicht nur in der Lage zu fliegen und zu filmen – sondern bei Bedarf auch größere Gegenstände zu transportieren. Die Paket-Drohne etwa, die DHL bei einem Pilotversuch im vergangenen Jahr einsetzte, schafft Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 70 km/h und kann zwei Kilogramm schwere Lasten tragen.

Flinker Störer: Nicht alle sind von den wendigen Fliegern begeistert (© 2017 Shutterstock / vectorfusionart)

Störungen des Luftraums

Außerdem bringen die filigranen Flugobjekte regelmäßig Berufspiloten in Verkehrsmaschinen zur Verzweiflung. So verzeichnete die Deutsche Flugsicherung im vergangenen Jahr 64 Konflikte mit dem regulären Flugverkehr – und damit fast fünfmal mehr als im Jahr davor. Im ersten Halbjahr 2017 wurden bereits 40 Konflikte gezählt – noch mal doppelt so viele im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Um die Wahrscheinlichkeit von Zusammenstößen zu reduzieren, bietet die Deutsche Flugsicherung seit Kurzem eine App an, die zeigt, wo Drohnen fliegen und wie hoch sie aufsteigen dürfen. Die Telekom wiederum bietet seit Kurzem das Magenta Drohnenschutzschild gegen unliebsame Besucher aus der Luft an – etwa zum Schutz von Fußballstadien, Justizvollzugsanstalten oder Industrieanlagen.

Doch die Gefahr geht nicht immer nur vom Piloten selbst aus. Auch Hacker haben Drohnen mittlerweile für sich entdeckt. So haben israelische Forscher kürzlich in einer filmreifen Aktion bewiesen, dass Kameradrohnen Daten von Computern herunterladen können – selbst wenn sie nicht mit dem Internet verbunden sind. Mit der Kamera filmten sie das Blinken der LED am PC-Gehäuse und übersetzten den Morsecode später in handfeste Daten. Auf diese Weise kopierte die Drohne mit bis zu vier Kilobyte pro Sekunde Informationen von einem manipulierten Rechner.