Was sind Standortfaktoren?

Wo soll die neue Fabrik hin? Ist das ein guter Platz fürs neue Büro? Die unterschiedlichen Vor- und Nachteile einer Lage teilen sich in harte und weiche Standortfaktoren auf. Sie sollen Unternehmen dabei helfen, den richtigen Fleck für den Sitz oder eine Niederlassung zu wählen. Die BWL hat auch eine Definition für Standortfaktoren: Alle Bedingungen, Umstände, Einflüsse und Kräfte, die für ein Unternehmen bei der Wahl einer Wirkungsstätte wichtig sind – also Gründung und Entwicklung beeinflussen können. Dazu zählen sowohl positive als auch negative Faktoren. Allgemeingültig zuordnen lassen die sich aber nicht. Denn was die eine Branche anzieht, schreckt die andere ab.

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Harte und weiche Standortfaktoren: Unterschiede in der Messbarkeit

Wie schon gesagt, gibt es harte und weiche Standortfaktoren. Die Definition von harten Standortfaktoren: Sie sind quantifizierbar und somit messbar. Sie können also in Kostenrechnungen und Analysen einbezogen werden. Weiche Standortfaktoren hingegen sind nicht konkret greifbar und haben eher indirekte Wirkung. Die Unterscheidung ist also ähnlich wie bei Hard- und Soft-Skills. Unsere Liste zählt die wichtigsten Aspekte auf – getrennt in harte und weiche Standortfaktoren:

Harte Standortfaktoren

  • Einer der Wichtigsten: die Infrastruktur. Dazu zählen Verkehrsanbindung, Energieversorgung, Abfallbeseitigung, Transportkosten und Energiepreise.
  • Auch die Nähe zu Zulieferern, Kunden, Forschungs-, Bildungs- und Entwicklungseinrichtungen und dem Zielmarkt können entscheidend sein. So konzentriert sich die Industrie in den USA beispielsweise im Manufacturing Belt oder in Deutschland im Ruhrgebiet.
  • Je nach Branche gehören auch das Klima und andere natürliche Gegebenheiten dazu.
  • Die Beziehung zu Produktionsfaktormärkten ist zudem eine besondere: Nähe, Größe und Zugang zu ihnen können erfolgsentscheidend sein. Als Produktionsfaktoren gelten bekanntlich nicht nur Rohstoffe, sondern auch Grundstückspreise, Mieten, Transaktionskosten und der Zugang zum Kapitalmarkt.
  • Ein weiterer Punkt, der häufig aufgrund seiner Relevanz gesondert betrachtet wird: Arbeit. Darunter fallen die quantitative und qualitative Verfügbarkeit von Arbeitskräften sowie die Lohnkosten. Aber auch Arbeitslosenquote, Kaufkraft und Kündigungsschutz sind ebenso relevant wie gesetzliche und tarifliche Gegebenheiten (zum Beispiel hinsichtlich Arbeitszeiten und Sozialversicherung).
  • Natürlich spielt auch der Markt eine Rolle. So geben  Markteintrittsbarrieren, -transparenz und Wettbewerbsintensität manchmal den Ausschlag.
  • Letztlich sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen von besonderer Relevanz. Das sind beispielsweiseZölle, Steuern und Abgaben aber auch Subventionen und Auflagen.

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Weiche Standortfaktoren

  • Die politische Situation. Herrschen an der Position unter anderem Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Bürokratie oder Korruption?
  • Unternehmensbezogene, weiche Skills sind das Wirtschaftsklima, das Image des Standorts (Standortprestige) und die Innovationskraft. Nicht zuletzt deshalb wählen viele Technologie-Unternehmen das Silicon Valley oder hierzulande Berlin als Firmensitz.
  • Die meisten weichen Standortfaktoren sind jedoch personenbezogen. Dazu zählen Wohnumfeld, medizinische Versorgung und die Umweltqualität sowie das Angebot an Bildungs-, Erholungs-, Kultur- und Freizeit-, Wohn-, Einkaufs- und Vergnügungsmöglichkeiten. Diese Kriterien bestimmen maßgeblich, wie attraktiv der Platz für Ihre Mitarbeiter ist.

Augen auf bei der Standortwahl: Da geht’s hin

Die endgültige Entscheidung für einen Standort ist dabei äußerst individuell für jedes Unternehmen. Neben den eigenen Werten und dem Leitbild spielt auch die Branche eine Rolle. So kann ein Standort für ein Einzelhandelsunternehmen schlecht, gleichzeitig aber für einen Chemiekonzern optimal sein. Auch wenn Sie sich für einen groben Umkreis entschieden haben, können die Räumlichkeiten selbst zum Knackpunkt werden: Haben Sie genug Produktions- oder Verkaufsfläche? Eignet sich die Aufteilung für die gewünschten Büros?

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Standortfaktoren im Wandel: Das kann sich ändern

Und sogar wenn die Standortfrage einmal beantwortet ist, heißt das nicht, dass sie endgültig vom Tisch ist. Denn die Anforderungen an einen Standort können sich stets ändern. Ein Beispiel: Sie gründeten Ihr Unternehmen einst in Stuttgart, da Sie dort ohnehin lebten. Nun haben Sie zahlreiche Kunden in Berlin. Weil Sie zudem aus dem technologisch-innovativen Sektor sind, müssen Sie zudem stets am Puls der Zeit bleiben. Die einzig logische Konsequenz: Der Umzug nach Berlin.