Tiefkühlpizza und Pommes könnten einmal zu den Opfern der Digitalisierung zählen. Zumindest, wenn der Boom des Thermomix anhält. Denn die Zubereitung frischer Zutaten dauert damit nach Feierabend nicht viel länger als ein Fertiggericht im Ofen. Längst hat sich das Multifunktionsgerät daher zum Küchenkult, zu einer Art iPhone unter den Küchenhelfern entwickelt. Dabei hat die heute so begehrte Küchenmaschine ganz klassische analoge Wurzeln, die in den 70ern liegen. Dank neuer, digitaler Technologien hat sich der Topf mit Messer und zwölf Funktionen vom Schneiden übers Wiegen und Mixen bis zum Dampfgaren in einen digitalen Zauberkessel verwandelt – gesteuert per Rezeptchip. „Mit dem neuen digitalen Thermomix trifft Vorwerk den Zeitgeist“, lobte Jörg Funder, Professor für Handels- und Distributionsmanagement an der Hochschule Worms, im Handelsblatt, „Convenience wird immer wichtiger. Kochen muss heute gesund, lecker und vor allem easy sein.“

Vorbild als „Digitalisierungsmacher“

Eine langfristig nachhaltige Entwicklung, mit der Dr. Jörg Mittelsten Scheid, langjähriger Chef des Wuppertaler Familienunternehmens Vorwerk, auch den Geschmack der Jury des Digital Champions Awards traf. Sie ehrte den heutigen Ehrenvorsitzenden des Unternehmensbeirats, mit 81 Jahren alles andere als ein geborener Digital Native, mit dem Sonderpreis „Digitalisierungsmacher“. Zur Preisvergabe hatten Telekom und WirtschaftsWoche in die Berliner Hauptstadtrepräsentanz des Telekommunikationskonzerns geladen.

„Der deutsche Mittelstand ist weit digitaler, als viele denken“, sagte Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland, vor zahlreichen prominenten Gästen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft bei der Preisverleihung. „Aber die Transformation fällt den Unternehmen einfach viel leichter, wenn sie anhand positiver Beispiele nachvollziehen können, wie man den Wandel erfolgreich anpackt.“

VIP-Talk Digital Champions Award 2017. Dr. Jörg Mittelsten Scheid diskutierte mit Hagen Rickmann (rechts), Miriam Meckel (zweite von rechts) und Wladimir Klitschko (links) über das Thema „Digitalisierung und lebenslanges Lernen im Mittelstand“. Wirtschaftsredakteurin Astrid Maier moderierte. (© 2017 Deutschmann Telekom )

Kundenwünsche im Mittelpunkt

Vorwerk, dessen Kerngeschäft nach wie vor im Vertrieb von Haushalts- und Küchengeräten liegt, geht die Transformation seit Jahren sehr konsequent an. Den Staubsauger Kobold, spätestens seit Loriot deutsches Kulturgut, gibt es ebenfalls in einer Robotervariante – wie überhaupt ein großer Teil der Vorwerk-Produkte heute digitale Schnittstellen besitzt. Auch beim Thermomix bleibt Vorwerk in Sachen Digitalisierung weiter rührig: Regelmäßig erfindet die Vorwerk-Versuchsküche neue Rezepte, die sich im Gerät speichern lassen. Wer die „Guided Cooking“-Funktion nutzt, in dessen Küchenmaschine sind Zeit und Temperatur für jeden Arbeitsschritt automatisch eingestellt. Per App landet zudem eine Einkaufsliste auf dem Handy. Die Zukunftsaussichten? Heiter, weil cloudig. Heißt: Schon bald wird sich der Thermomix wohl mit dem Kühlschrank und anderen Haushaltsgeräten vernetzen und fernsteuern lassen. Um modernen Köchinnen und Köchen noch mehr Zeit und Arbeit zu ersparen.

Dr. Jörg Mittelsten Scheid. Sein Unternehmen brachte mit dem Thermomix die Digitalisierung in die Küche: Dr. Jörg Mittelsten Scheid, langjähriger Vorwerk-Chef, wurde mit dem Sonderpreis „Digitalisierungsmacher 2017“ ausgezeichnet. (© 2017 Deutschmann Telekom )

Digitalisierung ist der Weg, nicht das Ziel

Digitalisierung sei, so Mittelsten Scheid, nie das Ziel, sondern immer nur der Weg dahin. „Das eigentliche Ziel heißt Innovation.“ Und weil der Kunde im Vordergrund steht, rüttelte Vorwerk nach 80 Jahren selbst am Primat des Direktvertriebs: Seit 2011 setzt das Unternehmen auf eine Multi-Channel-Strategie aus Shops, Direktvertrieb und Online-Kanälen.

Diese Aufgeschlossenheit für alles Neue imponierte auch seinen Laudator Wladimir Klitschko. Er zeigte sich vom „jugendlichen Geist, der Disziplin und der Erfahrung“ des Preisträgers sehr beeindruckt. Dr. Jörg Mittelsten Scheid habe immer auf den Faktor Mensch gesetzt und sei als Unternehmer mit „Ausdauer, Beweglichkeit, Konzentration und Koordination“ tätig gewesen. „Das Wichtigste aber: Als Familienunternehmer haben Sie erkannt, dass Ihre besten und wichtigsten Weggefährten Ihre Mitarbeiter sind.“

Die Digitalisierung ist Mittelsten Scheid ein echtes Anliegen – auch über Vorwerk hinaus. Deshalb fördert der promovierte Völkerrechtler übrigens die Stiftungsprofessur „Technologien und Management der Digitalen Transformation“ an der Bergischen Universität Wuppertal.

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