Das ist das Geheimrezept von Hidden Champions

Leisen Schrittes zum Erfolg: Hidden Champions sind besonders erfolgreiche Unternehmen, die weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit eine Marktführerschaft erlangt haben. Als heimliche Gewinner besetzen sie Randsegmente, die manchmal selbst Analysten nicht auf dem Schirm haben. Dadurch stehen Hidden Champions nicht im Wettbewerb mit großen Konzernen und können so ihre Nischen besetzen, ohne einem harten Preiskampf ausgesetzt zu sein. Weitere Gründe für den Erfolg der Hidden Champions sind:

  • Fokussierung. Clevere Unternehmen wissen genau, wo ihre Stärken liegen. Ihr Know-how nutzen Sie, um ihre Produktpalette zu spezialisieren – und so zu den Besten ihres Fachs zu werden.
  • Agilität. Große Konzerne sind häufig "too big to be quick". Nicht so Hidden Champions. Sie sind flexibel genug, um schnell auf neue Kundenwünsche oder ein verändertes Marktumfeld zu reagieren.
  • Internationalisierung. Hidden Champions nutzen die Chancen der Globalisierung, wachsen über den eigenen Heimatmarkt hinaus und erobern aufstrebende Märkte.
  • Mitarbeiterführung. In mittelständischen Unternehmen herrscht eine vertraute Arbeitsatmosphäre; die Angestellten werden mit betrieblichen Zusatzleistungen motiviert.

Hidden Champions: Diese Unternehmen glänzen auf der Weltbühne

Jeder, der schon einmal beim Zahnarzt war, kam wohl mit Dürr Dental in Berührung: Das baden-württembergische Unternehmen stattet nämlich Zahnarzt-Praxen mit Absauggeräten und Röngtensystemen aus. Und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen über 1.000 Mitarbeiter in 36 Ländern und erzielt 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Der Expansionskurs soll anhalten: "In den nächsten Jahren werden wir in Asien und Südamerika am stärksten wachsen“, sagte Martin Dürrstein, Vorstandsvorsitzender von Dürr Dental, im Gespräch mit dem Südkurier.

Auch die digitale Transformation geht der Betrieb proaktiv an. Dürr Dentaltechnik hat ein Verfahren entwickelt, das Röntgenaufnahmen digitalisiert. Spezielle Speicherfolien ersetzen dabei den herkömmlichen Röngtenfilm. Die Folien können mehrere 100-mal belichtet werden und punkten als digitales Bild mit einer hervorragenden Auflösung.

Otto Bock: Weltmarktführer für Prothesen

Wer das Wort Prothese hört, denkt wohl in erster Linie an Menschen, die mehr schlecht als recht mit künstlichen Extremitäten zurechtkommen müssen.  Otto Bock will das ändern. Das Unternehmen stellt weltweit die Hälfte aller High-Tech-Prothesen her und engagiert sich sehr stark für medizinische Forschung und Behindertensport. So dominieren auf der Firmenhomepage durchtrainierte Sportler in Rollstühlen und Menschen, die trotz einer Behinderung mitten im Leben stehen. Erfolgreiche paralympische Sportler rekrutierte Otto Bock als Markenbotschafter. Dieses Engagement macht sich bezahlt: Der Hidden Champion erwirtschaftete im Jahr 2013 einen Umsatz von 724,1 Millionen Euro und weitete seine Vertriebs- und Servicegesellschaften auf 50 Länder aus.

Kärcher: Mit Hochdruck zum Erfolg

Mit dem Verkauf von Dampfstrahlern, Waschanlagen und Reinigungstechnik hat es das Familienunternehmen Kärcher ganz nach oben geschafft. Das Unternehmen zeigt dabei, dass die Besetzung einer Nische allein nicht genügt. Stetig hat Kärcher auf Innovation gesetzt und seine Produkte verbessert und überarbeitet. Allein im Jahr 2014 wurden 58 neue Patente angemeldet. Auch die Verkaufszahlen stimmen. Mit 12,72 Millionen verkauften Geräten hat Kärcher mittlerweile den gesamten Globus mit seiner Reinigungstechnik erobert.

Kärcher demonstriert auch: Selbst bei einem trivialen Thema wie Reinigung können sich Hidden Champions spezialisieren. So bietet das Unternehmen die Säuberung von UNESCO-geschützten Denkmälern an. Mit seinen Heißwasser-Hochdruckreinigern brachte Kärcher unter anderem die Fassade des Aachener Doms wieder auf Hochglanz.

Grimme: Alles für die Ernte

Die Zeiten, in denen sich die Landwirtschaft auf Idylle und Handarbeit beschränkte, sind längst vorbei. Heutzutage wird digital geackert! Das hat auch Grimme erkannt. Das Unternehmen stellt Kartoffelernte-Maschinen mit intelligenter Elektronik her. Der Clou: Die Steuerung und Wartung der Maschinen übernimmt Grimme via Satellit aus der Firmenzentrale – ein wichtiger Service für den Landwirten. Auch selbstfahrende Landmaschinen sowie eine App, die für den Bauer den Bedarf des Pflanzguts berechnet, hat das Unternehmen entwickelt.

So viel Innovationsbereitschaft wurde belohnt: Mittlerweile produziert der Hidden Champion jährlich etwa 5.000 Kartoffelmaschinen und exportiert seine Landmaschinen in 120 Länder. Damit liegt der Exportanteil bei 80 Prozent. Wie das Handelsblatt berichtete, entwickelte Grimme auch Erntetechnik für Rote Beete, Möhren und Sellerie. Damit weitet das Unternehmen seine Geschäftsfelder Stück für Stück aus und vollzieht somit die Wandlung vom Hidden Champion zum etablierten Player.

Weiterführende Links:

  • Hidden Champions: Interessante Geschichten über Deutschlands heimliche Weltmarktführer gibt es auch beim "Handelsblatt".
  • Welche Unternehmen die digitale Transformation besonders erfolgreich meistern, erfahren Sie auf mittelstand DIE MACHER.