Smarthome per Smartphone

Am Mittelweg 169 in Hamburgs noblem Stadtteil Rotherbaum steht eine schmucke Stadtvilla, deren Bewohner bereits in der Zukunft leben. Jeder Winkel inklusive Aufzug ist hier vernetzt, das Internet wird über einen Glasfaseranschluss mit einer Datenrate von zehn Gigabit angebunden und wäre damit 30-mal so schnell wie ein schneller LTE-Mobilfunkanschluss. Schlüssel besitzen die Bewohner nicht mehr - die intelligente Haustür lässt sich per Smartphone per Funkübertragung öffnen. Besucher und Reinigungskräfte erhalten entweder Einlass mit einem vorübergehend gültigen Code oder identifizieren sich an der Türkamera. Der Mieter öffnet seinen Gästen dann aus der Ferne via Smartphone die Tür.

Der Blick in die Zukunft des Wohnens im 21. Jahrhundert ist eine Idee von Xing-Gründer Lars Hinrichs. Nach dem Verkauf seiner Firma erwarb er ein Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1908 und baut die Villa zum intelligentesten Wohnhaus Deutschlands um. Das smarte Heim, soll seinen Bewohner das Leben in allen Facetten mit moderner Technik vereinfachen: Aufzüge, Lampen, Türen lassen sich selbstverständlich mit dem Smartphone bedienen. Musik verfolgt die Bewohner durch die Räume, Waschmaschine und Trockner können aus der Ferne gesteuert werden. Im Kern geht es darum, die Wohung und seine Ausstattung per Internetprotokoll zu verbinden.

Smarthome in Kürze

Beim Smarthome sind alle Geräte und Installationen in einem Haus oder einer Wohnung über das Internet der Dinge (IoT) miteinander vernetzt und werden zentral über eine Software gesteuert. Bestimmte Vorgänge wie Licht oder Heizung ein- und ausschalten oder Jalousien öffnen und schließen lassen sich automatisieren oder übers Internet aus der Ferne in Gang setzen.
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E-Tankstelle und lernende Thermostate

Im intelligenten Haus der Zukunft soll das Leben der Bewohner nicht nur smarter und sicherer, sondern auch energiesparender werden. Kein Licht brennt unnötig, keine Heizung wärmt mehr leere Räume. Lernende Thermostate der Firma Nest, einer Google-Tochterfirma, steuern die Fußbodenheizung.

Das Smartphone als zentrales Steuerinstrument des intelligenten Zuhause übernimmt die Termin- und Aufgabenverwaltung: Anhand der anstehenden Kalendereinträge weckt es seinen Besitzer rechtzeitig vor seinem Termin und schlägt ihm die für den Tag angesichts der Verkehrslage beste Route vor. Ein kurzer Abgleich mit dem Wetterdienst – schon gibt es die passende Kleidungsempfehlung. Verlässt der Bewohner sein Haus, wird die Heizung automatisch herunter geregelt. Bei der Rückkehr nach Feierabend kommt der Fahrstuhl dem Mieter in der Tiefgarage schon entgegen, während er dort sein Auto an der E-Tankstelle auftankt. Oben angekommen, öffnet sich die Wohnungstür, wenn sich der Mieter mit seinem Smartphone nähert, und die Heizung ist wieder an.

Doch wer kann sich die schöne neue Luxus-Wohnwelt zum Beispiel am Rotherbaum eigentlich leisten? Zielgruppe sind zahlungskräftige Fach- und Führungskräfte aus aller Welt, die meist für eine begrenzte Zeit in der Hansestadt leben. „Mehr die Hälfte ist schon vermietet“, erklärt Xing-Gründer Lars Hinrichs, Initiator und Bauherr des mit Smart Home-Technik ausgestatteten Zukunftshauses, das er „Apartimentum“ getauft hat.

Video: Magenta Smarthome – Ihr Zuhause jederzeit in der Hand

Bis 2030 soll jedes dritte Haus smart sein

Hinrichs hat eine Nase für Trends. Das Smarthome, in dem alle Geräte miteinander verbunden sind und sich per Smartphone oder Tablet überwachen und steuern lassen, wird bei Verbrauchern zunehmend beliebter. Bereits bis 2030 soll jedes dritte Haus smart sein. Nach der repräsentativen Umfrage „Sicherheit im Smart Home“ des Digitalverbands Bitkom und des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz unter rund 3.170 Nutzern kennen sechs von zehn Menschen den Begriff Smart Home. Drei von zehn sind gar ausgewiesene Kenner und nutzen in ihrem Haushalt erste mit dem Internet vernetzte Geräte wie Heizungsthermostat, Beleuchtung, Alarmanlage, Smart-TV, Rollläden, Stromzähler, Markisen, Schließanlage, Video-Überwachung oder Staubsauger, die wie auf Kommando losziehen und die Böden reinigen. Weitere 44 Prozent planen eine Anschaffung eines der intelligenten Geräte in den kommenden zwölf Monaten. Sie versprechen sich davon eine höhere Sicherheit (61 Prozent), mehr Komfort und Lebensqualität (57 Prozent) und Einsparungen durch eine höhere Energieeffizienz (50 Prozent).

Smarthome Übersicht: Wo kaufen die Deutschen bevorzugt Smarthome-Lösungen? (© 2017 Deloitte Consulting GmbH)

 

Der Markt der smarten Geräte wächst

Auch der Markt für Smart-Home-Produkte kommt in Schwung: Laut den Berechnungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) stieg der Umsatz mit Smart-Home-Lösungen in Deutschland zwischen Januar und Oktober 2016 um zehn Prozent auf satte 3,1 Milliarden Euro. „Smart Home wird sich am Markt durchsetzen“, glaubt auch Gunter Wagner, Direktor des Deloitte Smart Home Competence Center und Co-Autor der Studie „Ready for Takeoff“? Smart Home aus Konsumentensicht“.

Das Smarthome aus Konsumentensicht
Über 1.000 Konsumenten zwischen 19 und 75 Jahren wurden im Auftrag von Deloitte und der Technischen Universität München hinsichtlich ihrer Einstellung zu Angeboten fürs Smarthome interviewt.

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Sicherheit und Datenschutz im Smarthome

Nutzer von Anwendungen fürs Smarthome hinterlegen persönliche Daten wie Anschrift und Nutzungsgewohnheiten. Diese werden für jeden Unbefugten transparent, wenn er darauf Zugriff erhält. Marc Fliehe, Bereichsleiter Informationssicherheit beim Bitkom, und Christian Kulick, Bereichsleiter Smart Home & Smart City, raten zu folgenden Sicherheitsvorkehrungen:

1. Vertrauenswürdiger Anbieter wählen: Bei der Auswahl des Produkts sollte neben dem Preis-Leistungsverhältnis die IT-Sicherheit eine Rolle spielen. Außerdem sollte der Anbieter auch den Support für die Einrichtung und den Betrieb des Produktes übernehmen.

2. „Verfallsdatum“ beachten: Beim Kauf des Produktes sollte auf den Umfang und die Länge der sogenannten Updategarantie (End Of Service, EOS) geachtet werden und das Produkt nicht über diesen Zeitrahmen hinaus betrieben werden.

3. Auf Sicherheitsfunktionen achten: Das gewählte Produkt sollte aktuelle Sicherheitsfunktionen bieten, wie etwa eine passwortgeschützte Administrationsoberfläche und eine verschlüsselte Informations- und Datenübertragung.

4. Installationsanweisungen genau befolgen: Zusätzlich sollten sich die Nutzer ausführlich in der Betriebsanleitung über spezifische Sicherheitskonfigurationen informieren.

5. Starke Passwörter wählen: Voreingestellte Passwörter sollten durch starke Passwörter ersetzt werden, die mindestens zwölf Zahlen, Zeichen und Buchstaben kombinieren. Dieses Passwort sollte nur für diesen Dienst genutzt werden.

6. Vorsicht beim Aktivieren von Diensten: Nur die Dienste und Funktionen, die für den persönlichen Einsatz des Gerätes benötigt werden, sollten aktiviert werden.

7. Nutzerprofile einrichten: Verwenden mehrere Benutzer dasselbe Gerät, ist die Einrichtung unterschiedlicher Nutzerprofile mit den jeweils notwendigen Rechten sinnvoll. So wird sichergestellt, dass nur befugte Anwender beispielsweise Einkäufe tätigen oder Sicherheitskonfigurationen verändern können.

8. Regelmäßig updaten: Es sollte regelmäßig überprüft werden, ob neue Updates/Patches zur Verfügung stehen und diese gleich installiert werden, das schließt etwaige Sicherheitslücken.

Neue Geschäftsmodelle dank Smarthome

Der Trend zum Smarthome erleichtert nicht nur das Leben der Nutzer, sondern bietet auch kleinen und mittelständischen Unternehmen neue Geschäftschancen. So etwa dem Funk- und Antennenspezialist Schwaiger in Langenzenn bei Nürnberg. Er hat die Chancen früh erkannt und sich 2016 auf Automatisierungslösungen für das vernetzte Haus als zusätzliches Geschäftsfeld spezialisiert. Die meisten Anfragen konzentrieren sich derzeit noch auf Alarmsysteme und einfache Anwendungen wie Lösungen für die Licht- und Heizungsregulierung. „Viele sehen das Thema Smart Home von der technischen Seite her viel komplizierter, als es in Wirklichkeit ist“, erklärt Geschäftsführer Mike Tänzler. Hier bestehe noch Aufklärungsbedarf.

Smarthome Per App lassen sich Waschmaschinen und Trockner von Miele intelligent auch aus der Ferne steuern. (© 2017 Miele)

 

Die Open Telekom Cloud

Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein und Investitionen in eigene IT zu sparen, bezieht er seine IT für die Automatisierungslösungen im vernetzten Zuhause aus der Cloud. „Wir haben uns für die Open Telekom Cloud entschieden, da wir Rechenleistung und Speicherplatz nach Bedarf beziehen können“, sagt er. Bei dieser Lösung kam es ihm auch auf die Sicherheit und den Datenschutz an, denn für die Hausautomation müssen Nutzer persönliche Daten hinterlegen – von der Anschrift bis zu Nutzungsgewohnheiten. Da die Open Telekom Cloud in deutschen Rechenzentren betrieben wird, sind alle Kundeninfos nach dem strengen deutschen Datenschutzrecht gespeichert und gesichert. „Bei einem so sensiblen Thema wie einem vernetzten Heim sind Datenschutz und Datensicherheit für uns ein sehr wichtiges Verkaufsargument“, sagt Tänzler.

Deutsche Verbraucher sind besonders skeptisch, was den Schutz und die Sicherheit ihrer Daten betrifft. Bislang konnten sich nach Ergebnissen der Deloitte-Studie lediglich Telekommunikationsanbieter und Hersteller von Unterhaltungselektronik als „Trusted Supplier“ (vertrauenswürdige Lieferanten) im Smart Home-Markt positionieren.

Angst vor Hacker-Angriffen, Eingriffen in die Privatsphäre und Missbrauch der persönlichen Daten halten noch viele potenzielle Nutzer vom Einstieg in die schöne, smarten Wohnwelt ab, wie die Bitkom-Befragung ergab. „Wichtig ist vor allem, dass Nutzer einen vertrauenswürdigen Anbieter wählen“, erklärt Marc Fliehe, Bereichsleiter Informationssicherheit beim Bitkom. Oder sie mieten sich einfach in Hamburg ein. Da ist von Anfang an alles vernetzt – das wäre ganz schön smart.

Video: Das Apartimentum von Xing-Gründer Lars Hinrichs

Weiterführende Links zum Thema

Interaktive Grafik, wie das eigene Zuhause smarter werden kann und per App zu steuern ist.

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