Wie verhält sich Bevölkerungsdichte zu Personalressourcen und Gehaltskosten? Wie entwickelt sich der Altersschnitt in einzelnen Regionen? Wann sollte die nächste Recruiting-Welle starten? Und wann und wo entstehen personelle Engpässe, weil Mitarbeiter wegen einer nahenden Grippewelle in größerem Umfang auszufallen drohen? Wollen die Personaler bei der staatlichen französischen Bahngesellschaft SNCF aktuelle Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Mitarbeiter-Management im Staatskonzern erhalten, setzen sie sich an das Dashboard ihres Computers. Dort können sie die wichtigsten Kennzahlen etwa zu Fehlzeiten oder Altersstrukturen von Lokführern, Schaffnern und Servicekräften einsehen und anhand interaktiver Karten einen schnellen Überblick über Mitarbeiter in ganz Frankreich gewinnen. Schlägt etwa die Grippewelle zu, stellen die Personaler mit ein paar Klicks die Weichen für einen reibungslosen Bahnbetrieb. Und sind, dank ihrer Big-Data- und Business-Intelligence-Analysen, ihrer Zeit um mehrere Zuglängen voraus.

Ziemlich viel Luft nach oben

Datenanalysen sind in allen Unternehmensbereichen auf dem Vormarsch. Ob für Marketing, Vertrieb oder Controlling – wenn Firmen Informationen zielgerichtet übergreifend analysieren, lassen sich Zusammenhänge erkennen, Kundenwünsche besser voraussagen oder Prozesse optimieren. Laut einer Umfrage des Beratungshauses Sopra Steria von 2016 haben mehr als 90 Prozent aller Firmenlenker erkannt, welchen enormen Einfluss Datenanalysen auf die wirtschaftliche Performance eines Unternehmens haben. Allerdings können nur 28 Prozent entsprechende Initiativen im eigenen Unternehmen vorweisen. Vor allem im Personalbereich fristen Data Analytics, Business Intelligence & Co. bis dato ein stiefmütterliches Dasein – da ist noch viel Luft nach oben. Laut einer Gemeinschaftsstudie von Karrierenetzwerk LinkedIn und Branchenverband Bitkom setzt nur jedes elfte Unternehmen Big Data im Personalwesen ein. Auch, weil dafür qualifizierte Mitarbeiter Mangelware sind. So prognostiziert das Bundeswirtschaftsministerium in seinem Bericht zur „Digitalen Strategie 2025“, dass bereits 2014 Unternehmen europaweit mehr als eine halbe Million Datenexperten suchten. Bis 2020 wächst der Bedarf auf 3,5 Millionen Fachkräfte – Tendenz weiter steigend.

Datenanalysen sind in allen Unternehmensbereichen auf dem Vormarsch. Datenanalysen sind in allen Unternehmensbereichen auf dem Vormarsch. (© 2017 Telekom )

Experten verzweifelt gesucht

Dabei, so eine Umfrage des Beratungshauses Sopra Steria von 2016, haben die Unternehmen die Notwendigkeit zu handeln durchaus erkannt: Zwei von drei der befragten Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern wollen in Zukunft entsprechende Datenexperten einstellen. Jede zweite Firma ist bereits aktiv auf der Suche nach qualifiziertem Personal – die Talente auch zu finden, gestaltet sich allerdings schwierig: Passende Studiengänge gibt es kaum, zu den wenigen Angeboten zählen ein Masterstudiengang Datenwissenschaft an der TU Dortmund, die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität hat 2017 den Elite-Masterstudiengang im Fach Data Science initiiert.

Jede zweite Firma ist bereits aktiv auf der Suche nach qualifiziertem Personal – die Talente auch zu finden, gestaltet sich allerdings schwierig. Jede zweite Firma ist bereits aktiv auf der Suche nach qualifiziertem Personal – die Talente auch zu finden, gestaltet sich allerdings schwierig. (© 2017 Telekom )

Was das für den Mittelstand bedeutet: aktiv werden. Im Kleinen wie im Großen: Wie viele Kandidaten bewerben sich auf eine Stelle? Welche Recruiting-Formen waren am erfolgreichsten? Wie lange dauerte der Recruiting-Prozess für das Unternehmen, aber auch für den Bewerber? Verschaffen sich Unternehmer hierüber Klarheit, ist bereits der erste Schritt in Richtung datengetriebener Human Resources gemacht. Mit Softwarelösungen von Sage, Peakon oder SAP lässt sich dann die Personalwirtschaft durchgängig auf eine datengetriebene Basis stellen. Die Systeme weisen nicht nur den Weg, die Mitarbeiterbeschaffung zu optimieren – sondern sie ermöglichen es auch, Maßnahmen für die Personalentwicklung abzuleiten, um Talente dauerhaft zu binden.

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