Es ist der klassische Verlauf der frühen Phase eines Start-ups: Die Gründer haben eine zündende Geschäftsidee und legen hochmotiviert los – kommen aber bald einfach nicht mehr weiter. Dabei geht es nicht immer nur um finanzielle Unterstützung. Manchen Gründern fehlt es eher an Technologie, anderen an Kontakten und einigen schlicht an Erfahrung. Große Konzerne können all das bieten. Mit einem solchen Partner an ihrer Seite gelingt so manchem Start-up der Durchbruch schneller.

Doch auch solche Start-ups, die bereits am Markt etabliert sind, erhalten durch eine Kooperation mit großen Konzernen oft kräftigen Rückenwind. Das erlebt aktuell das Münchener Unternehmen NavVis. Die jungen Gründer haben ein Indoor-Navigationssystem entwickelt. Herzstück der Lösung: ein Trolley mit Laserscannern und Kameras, die jeden Winkel von Räumen bis ins kleinste Detail abtasten. Aus den Daten entsteht nicht nur virtuelles Kartenmaterial, sondern ein komplettes 3D-Modell des Gebäude-Inneren.

Die Daten dienen anschließend unter anderem als Basis für die Navi-App. „Das ist aber nur ein Teil einer ganzen Palette von Einsatzmöglichkeiten“, sagt Felix Reinshagen, CEO und einer der Gründer von NavVis. „Wir können mit unserer Lösung beispielsweise die Position jedes Feuerlöschers, jeder Glühbirne und jeder Revisionsklappe im Inneren von Gebäuden im 3D-Modell erfassen.“ Damit ist NavVis inzwischen sehr erfolgreich: Das Münchener Startup wächst kontinuierlich und wurde bereits mit diversen Auszeichnungen und Preisen bedacht.

Das Indoor-Navigationssystem von NaVis bietet als Herzstück einen Trolley, der mit Laserscannern und Kameras jeden Winkel von Räumen bis ins kleinste Detail abtasten können. Das Indoor-Navigationssystem von NaVis bietet als Herzstück einen Trolley, der mit Laserscannern und Kameras jeden Winkel von Räumen bis ins kleinste Detail abtasten können. (© 2017 Navis)

Schnelleres Wachstum

Besonders bei großen und kleinen Unternehmen kommt die NavVis-Lösung gut an. Bisher fehlte lediglich der Zugang zur hochattraktiven Zielgruppe Mittelstand. „Der deutsche Mittelstand zeichnet sich durch einen sehr hohen Spezialisierungsgrad und tiefes Expertenwissen aus“, sagt Reinshagen. „Eine solide Vertriebsstruktur für diese Zielgruppe aufzubauen, stellt daher insbesondere für ein Startup eine große Herausforderung dar.“ Seit kurzem hat die Telekom die NavVis-Lösungen in das eigene Produktportfolio aufgenommen. Damit erhält NavVis nun Zugang zur Vertriebsstruktur der Telekom und kommt so mit mittelständischen Kunden in Kontakt.

„Wir sprechen jeden Tag mit vielen Kunden aus dem Mittelstand, die ein Problem haben, das sie mit eigenen Mitteln nicht lösen können“, sagt Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden bei der Telekom Deutschland GmbH. „Solche Mittelständler bringen wir mit innovativen Startups zusammen, die eine Lösung für sie haben – wie zum Beispiel NavVis.“

Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden­ Telekom Deutschland GmbH. Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden­ Telekom Deutschland GmbH. (© 2016 Deutsche Telekom)

Außerdem fungiert der Bonner Provider künftig als Technologiepartner, der die Daten aus den Innenraum-Scans in seinen deutschen Rechenzentren hostet. Die Telekom führt darüber hinaus künftig selbst Innenraum-Scans mit den Trolleys von NavVis durch, bearbeitet die Daten, übernimmt den Support und stellt künftig auch die Indoor-Navi-App aus der Open Telekom Cloud bereit.

Gezielte Förderung

Bereits seit Längerem unterstützt die Telekom gezielt Start-ups. So hat das Unternehmen im Jahr 2012 den Inkubator hub:raum in Berlin ins Leben gerufen. Im Rahmen der Initiative fördert die Telekom Ideen bereits im frühen Stadium nicht nur finanziell, sondern auch mit internem wie externem Know-how – und begleitet vielversprechende Startups so auf ihrem Weg zur Marktreife.

„Dabei profitieren in der Regel alle Beteiligten: Die Start-ups, weil sie durch uns schneller Zugang zu mittelständischen Unternehmen bekommen. Unsere Kunden, weil wir ihnen innovative Produkte und Lösungen der Startups vorstellen können. Und wir, weil wir unser Netzwerk mit innovationsstarken Partnern ergänzen und unser eigenes Portfolio um Ideen mit großem langfristigem Umsatzpotenzial erweitern“, sagt Miriam Mertens, bei Telekom Deutschland verantwortlich für die Zusammenarbeit mit Start-ups.

Miriam Mertens Miriam Mertens (© 2017 Deutsche Telekom)

Fahrraddieben auf der Spur mit GPS im Rücklicht

Ein weiteres Beispiel: PSP Pauli Services & Products. Das Unternehmen aus Hochdorf bei Esslingen hat gemeinsam mit der Telekom eine Lösung entwickelt, die Fahrraddieben das Leben schwer macht. Das velocate vc1 alarmiert den Besitzer, sobald jemand das Fahrrad bewegt. Verbaut in ein handelsübliches Gepäckträger-Rücklicht ermittelt es den Standort per GPS und überträgt ihn vollautomatisch über das Mobilfunknetz der Telekom an ihr hochsicheres Rechenzentrum.

Der Besitzer erfährt die Position des Rades per Smartphone-App oder Webbrowser. Befindet sich das Rad in einem Keller oder einer Garage, funkt es seine Position via Bluetooth 4.0 im Nahbereich. Namhafte E-Bike-Hersteller integrieren das System demnächst ab Werk via CAN-Bus in ihre Räder. Damit hat PSP jetzt gemeinsam mit der Telekom den Grundstein für das voll vernetzte Fahrrad gelegt.

Das velocate vc1 bietet Diebstahlschutz dank GPS. Verbaut in ein handelsübliches Gepäckträger-Rücklicht. Das velocate vc1 bietet Diebstahlschutz dank GPS. Verbaut in ein handelsübliches Gepäckträger-Rücklicht. (© 2017 PSP Pauli Services and Products)

„Solche Beispiele sind für uns die beste Motivation, die Kooperation mit Start-ups künftig weiter auszubauen“, sagt Mertens. „Denn so bringen wir Gründer und Mittelstand zusammen und schaffen eine Win-Win-Win-Situation zwischen allen Beteiligten.“

Weitere Infos zum Thema: www.telekom.de/startups