Multi Cloud – die ordnende Hand

Die Cloud ist ein zentrales Element der Digitalisierung. Einheitlich ist sie aber nicht. Sie gilt eher als Sammelbegriff für das Auslagern von IT-Infrastruktur, Anwendungen und Hosten an einen Dienstleister. Im Wesentlichen gibt es drei Arten von Clouds: die Public Cloud, die Private Cloud und deren Kombination, die Hybrid Cloud. Dazu später mehr.

Hinzugekommen ist mittlerweile eine weitere Variante: die Multi Cloud. Sie ist im Grunde ein Management-System. Als übergeordnete Instanz steuert sie unterschiedliche Cloud-Formen und -Services – unabhängig von deren Strukturen und Anbietern. Damit wird sie zum gemeinsamen Leitstand für nahezu sämtliche Cloud-Operationen.

Das bringt die Multi Cloud dem Mittelstand

Multi Cloud wird immer wichtiger

Multi Cloud und Multi Cloud Management sind mehr als reine Buzzwords. In der Umfrage „State of the Cloud Report 2017“ von Crisp Research gaben 85 Prozent der teilnehmenden Unternehmen an, schon eine entsprechende Strategie entwickelt zu haben.

Auf den ersten Blick wirkt Multi Cloud Management wie ein vorrangiges Thema für große Betriebe und internationale Konzerne. Schließlich kommen diese schon lange nicht mehr ohne umfängliche Cloud-Unterstützung aus. Doch der Eindruck täuscht, denn auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) profitieren von der integrierenden Funktion der Multi Cloud. Gerade im deutschen Mittelstand gibt es viele hoch spezialisierte Marktteilnehmer, die neben universellen digitalen Lösungen auf maßgeschneiderte Anwendungen angewiesen sind. Deren paralleler Betrieb ist – wenn überhaupt – nicht immer reibungslos möglich.

Um diese und ähnliche Schwierigkeiten zu vermeiden, setzen manche KMU auf Cloud-Services von nur einem Anbieter. Dann besitzen sie zwar in der Regel kompatible Lösungen, müssen sich aber mit insgesamt eingeschränkten Möglichkeiten zufriedengeben. Der Grund: Die Cloud aus einer Hand gibt es nicht. Schließlich sind die Anforderungen in jedem Unternehmen anders. Und kein Cloud-Dienstleister kann sie in idealer Weise erfüllen. Wer ein optimales Sortiment digitaler Werkzeuge will, muss also zwangsläufig mehrgleisig fahren.

Multi Cloud: Darum lohnt sich der Einsatz für KMU Flexibel sein: Handwerker brauchen viele Werkzeuge, Unternehmen brauchen viele Cloud-Dienste. (© 2018 Shutterstock / AlexeiLogvinovich)

Die unterschiedlichen Cloud-Modelle

Die individuellen Erfordernisse machen bereits in kleinen Unternehmen oft den Einsatz mehrerer Cloud-Modelle nötig. Wie eingangs erwähnt, gibt es davon drei hauptsächliche Varianten. Hier ein kurzer Überblick:

  • Die Public Cloud: Mehrere Nutzer – Unternehmen wie Privatleute – teilen sich die digitalen Ressourcen auf einem Server des Cloud-Anbieters. Dass sie Gesellschaft haben, merken sie allerdings im normalen Betrieb nicht. Der Dienstleister kontrolliert und betreibt das System. Wegen der guten Ausnutzung durch mehrere Kunden ist die Public Cloud besonders günstig.
  • Die Private Cloud: Ihr Name mag in die Irre führen, denn sie ist nicht für private, sondern ausschließlich für professionelle Nutzer gedacht. Sie läuft auf kunden-exklusiven Servern. Wer auf seine Daten zugreifen darf, entscheidet der Auftraggeber. Während er weitgehend die Kontrolle über „seine“ Cloud ausübt, betreut der Anbieter die Daten in seinen Rechenzentren.
  • Die Hybrid Cloud: Sie kombiniert die Vorteile von Public und Private Cloud. Die Unternehmen entscheiden, welche Daten sie jeweils in welche Variante auslagern. Besonders sensible Informationen legen sie in der Private Cloud ab, öffentlich zugängliche in die Public Cloud. Das heißt, es gibt keinen durchgängig geschlossenen Nutzerkreis.

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So funktioniert die Multi Cloud

In der Praxis ergeben sich oft Systeme, die den gleichzeitigen Einsatz der genannten drei Cloud-Modelle erfordern. Abhängig von den Ansprüchen der Unternehmen führt das zu unterschiedlichen Schwerpunkten und Systemen von teils mehreren Anbietern.

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Diese lassen sich mit einer gut funktionierenden Multi Cloud steuern. Im Vergleich zu einer Hybrid Cloud ist sie erheblich anpassungsfähiger. Sie erlaubt die gleichzeitige Verwendung von Clouds unterschiedlicher Provider über eine zentrale Oberfläche. Damit lassen sich beispielsweise Systeme von Amazon AWS, Microsoft oder VMware dirigieren. Auch die Verknüpfung zum Cloud-Betriebssystem OpenStack, auf dem die Open Telekom Cloud basiert, ist möglich.

Die Vorteile der Multi Cloud

Die Multi Cloud punktet mit zahlreichen Eigenschaften. Eine Auswahl:

  • Weil sie mit diversen Anbietern und Cloud-Modellen zurechtkommt, lässt sie Unternehmen die freie Wahl von Systemen, Funktionen und Providern. Dadurch wird auch ein Vendor Lock-in vermieden.
  • Sie erlaubt eine hohe Verfügbarkeit mittels kurzer Wege zu leistungsfähigen Rechenzentren in der Nähe des Unternehmens. Das minimiert Latenzen beim Datenaustausch.
  • Mit der Multi Cloud lassen sich die jeweils idealen Cloud-Dienste nutzen.
  • Dank breiter Auswahl bei Cloud-Modellen und -Providern (Redundanzen) ergibt sich eine hohe Ausfallsicherheit.
  • Schnelles Reagieren auf neue Entwicklungen und Anforderungen.
  • Parallele Nutzung mehrerer Services wie IaaS, PaaS oder SaaS von unterschiedlichen Dienstleistern.
Multi Cloud: Darum lohnt sich der Einsatz für KMU In der Multi Cloud laufen sinngemäß alle digitalen Fäden zusammen. (© 2018 Shutterstock / asharkyu)

Die Nachteile der Multi Cloud

Den Vorzügen einer Multi Cloud stehen allerdings auch einige Nachteile gegenüber. Dazu zählen:

  • Wegen der zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten von Services mehrerer Anbieter erhöht sich der zeitliche, personelle und damit auch finanzielle Aufwand für das Multi Cloud Management.
  • Außerdem lassen sich aufgrund der Nutzung mehrerer Anbieter weniger Skaleneffekte erzielen.
  • Unterschiedliche vertragliche Bestimmungen und Abrechnungsverfahren erschweren die Kosten-Nutzenrechnung.
  • Je nach Anbieter und Vereinbarung ergeben sich abweichende Bestimmungen zu Datenschutz, Datensicherheit sowie Compliance-Regelungen.
  • Die Verwaltung von Zugriffsrechten ist kompliziert.

Multi Cloud Management einführen

Die Gegenüberstellung von Pro und Contra zeigt, dass der Einsatz einer Multi Cloud gut abgewägt sein will. Ein Patentrezept dafür gibt es nicht. Das erhöht die Hürden für eine Umsetzung aus eigener Kraft. Laut einer Studie von Crisp Research und der QSC AG möchten 73 Prozent der dafür befragten Unternehmen die Einführung eines solchen Systems gemeinsam mit einem spezialisierten Dienstleister angehen. Das sind in der Regel sogenannte Managed-Multi-Cloud-Provider.

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Multi Cloud Management – ja oder nein? Die Antwort hängt immer vom Einzelfall ab. Verantwortliche, die mit diesem Thema konfrontiert sind, sollten unter anderem ...

  • ... eine Bestandsaufnahme machen, um den grundsätzlichen Bedarf einer Multi Cloud in ihrem Unternehmen festzustellen. Sie sollten prüfen (lassen), an welchen Stellen es bei der bisherigen Lösung hakt beziehungsweise Verbesserungen sinnvoll und möglich sind.
  • ... eine mittel- bis langfristige strategische Planung vornehmen. Wie soll die Zukunft des Unternehmens aussehen? Welche Rolle kann eine Multi Cloud dabei spielen?
  • ... die Verbindung zwischen technischer Leistungsfähigkeit und Arbeitsauslastung nachvollziehen. Welche Aufgaben beanspruchen die meisten Ressourcen?
  • ... klären, welche Bestandteile der aktuell verwendeten Cloud-Modelle in welchem Umfang in eine Multi Cloud überführt werden könnten.
  • ... den Zeit- und Kostenrahmen für ein solches Projekt kalkulieren.

Danach lässt sich zumindest grob einschätzen, inwieweit der Einsatz von Multi Cloud Management eine Überlegung wert ist. Auf jeden Fall lässt es sich nicht von heute auf morgen umsetzen. Die Einführung in bestehende Systeme gelingt in der Regel nur Schritt für Schritt. Vor der Gründung stehende Unternehmen haben hier einen Vorteil: Sie können von vornherein mit der Multi Cloud planen und so von Anfang an den vollen Nutzen daraus ziehen.