„Ich drehe schon seit Stunden hier so meine Runden, ich finde keinen Parkplatz und komm’ zu spät zu dir, mein Schatz.“ Schon 1984 besang Herbert Grönemeyer die beschwerliche Parkplatzsuche. Fast 35 Jahre später hat sich das Problem verschärft. Mittlerweile leben über die Hälfte aller Menschen in einer Großstadt – was auch dazu führt, dass der Straßenverkehr ins Stocken gerät und sich die Suche nach einem Parkplatz noch schwieriger gestaltet als in den 80er-Jahren.

Suchen und finden

Allerdings ist Besserung in Sicht: Die Telekom hat ein neues Dienstleistungspaket entwickelt, das Kommunen, Parkplatzbetreiber und Autofahrer auf einer Plattform zusammenbringt. Die Lösung „Park and Joy“ ist ein digitaler Marktplatz für Parkraum, ob auf öffentlichen Parkplätzen oder in privaten Parkhäusern. Dabei bildet die Lösung den gesamten Parkablauf ab: finden – buchen – parken – zahlen. Der Autofahrer benötigt dafür lediglich die intuitiv bedienbare Park and Joy-App für sein Smartphone, die mit allen Mobilfunkanbietern funktioniert. Die App zeigt in Echtzeit die Verfügbarkeit von Parkplätzen im gewünschten Bereich an und navigiert den Fahrer auf direktem Wege dorthin. Zukünftig ist sogar eine Vorab-Reservierung etwa in Parkhäusern möglich. Nach dem Abstellen des Fahrzeugs wird der Parkplatz online gebucht und mit nur zwei Klicks ein digitaler Parkschein erstellt. Der Autofahrer kann schließlich
die Parkdauer minutengenau über die meisten gängigen Bezahlverfahren wie Kreditkarte, Lastschrifteinzug und über die Rechnung des Mobilfunkanbieters bequem zahlen.

Die nervenzehrende Parkplatzsuche könnte für Autofahrer in Zukunft also einfacher werden. „Smart Parking“ heißt die Technik, die mithilfe des Internets der Dinge (IoT) Parkplätze und Autofahrer beziehungsweise Smartphones und Fahrzeuge miteinander vernetzt. Bis zu 11.000 solcher vernetzten Parkplätze will die Telekom in den nächsten drei Jahren in der Hansestadt zur Verfügung stellen. Dazu wird sie Bodensensoren auf den Stellplätzen anbringen, die registrieren, ob der jeweilige Parkplatz frei ist. Diese Dateninformation sendet der NarrowBand-IoT-Sensor an eine Cloud-Plattform. Die von den Sensoren erhaltenen Informationen werden mit weiteren Daten über freien Parkraum kombiniert. Auf diese Weise lassen sich sehr genaue Vorhersagen über die Verfügbarkeit von Parkplätzen im vom Fahrer gewünschten Stadtbereich treffen.

Über die Telekom App „Park and Joy“ können Autofahrer diese Daten abrufen, schnell einen freien Parkplatz finden, ihn direkt buchen und auch bezahlen. Noch in diesem Jahr erfolgt der Start mit der Stadt Hamburg. Die mobile App startet mit der Suchen- und Bezahlen-Funktion und erhält sukzessive die weiteren Features wie Finden und Reservieren.

Auto sucht Stellplatz: Sensoren und clevere Cloud-Lösungen helfen beim Parkplatzproblem. (© 2017 Telekom)

Schonen und sparen

Rund 30 Prozent des gesamten Stadtverkehrs entfallen derzeit auf die Parkplatzsuche. Smarte Parking-Lösungen können die dabei entstehenden CO2-Emissionen um 38 Prozent reduzieren. Das Verkehrsaufkommen um die Parkplätze herum sinkt sogar um bis zu 40 Prozent. Darüber hinaus können die Kosten für unnötig verfahrenen Sprit, Gebühren für Falschparker und die wirtschaftlichen Schäden durch fälschlich zugestellte Lieferzonen drastisch sinken.

Technologien

Das Ringen um die beste Smart Parking-Technologie hat gerade erst richtig begonnen. Ein Überblick über die bestehenden Technologien ist daher immer unvollständig.

Bodensensoren

In den Teer eingelassene, etwa tellergroße Plastiksensoren registrieren mithilfe von Ultraschall, Magnetschall oder Infrarot, ob ein Parkplatz frei oder besetzt ist.

Sensorstreifen

Auf den Boden aufgeklebt werden die Sensorstreifen von „Park Here“. Die druckempfindlichen Streifen brauchen keine Energie und sollen 25 Jahre halten.

Kamera

Infrarotkameras überwachen ganze Areale von Stellplätzen. Dazu müssen sie an Straßenlaternen oder anderen erhöhten Punkten fixiert werden.

Big Data

Einige Parkplatz-Apps errechnen Wahrscheinlichkeiten für freie Plätze anhand von Schwarmdaten von Autos, Schranken und Ampeln.

Deshalb arbeitet nicht nur die Telekom an smarten Parklösungen. BMW und die Axa-Versicherung haben ebenfalls eine eigene Parkplatz-App entwickelt. Der bayerische Autohersteller verbaut die App „Park Now“ sogar schon in seiner Fünfer-Reihe. Auch Daimler ist dahingehend aktiv und kooperiert mit Bosch. Der Stuttgarter Maschinenhersteller entwickelt zusätzlich eine eigene, autoherstellerunabhängige Lösung.

Neben großen Unternehmen ist auch so manches Startup an der Entwicklung smarter Apps fürs Parken beteiligt. Zum Beispiel Park Here. Das Startup aus München hat energieunabhängige Sensorstreifen entwickelt, die auf den Asphalt geklebt werden. Die druckempfindlichen Streifen registrieren das parkende Auto und senden die Daten an die Cloud-Plattform. In Köln entwickelte das Startup Evopark die App „Clever Parken“, die in Echtzeit die Ein- und Ausfahrten an Parkhäusern in der Stadt und am Flughafen mitzählt und so schnell freie Stellplätze meldet. Somit könnten die legendären Textzeilen von Herbert Grönemeyer in naher Zukunft total überholt sein – und Parken wird zum Kinderspiel.

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