Retention Management – was ist das?

Abwandernde Mitarbeiter sind ein Ärgernis für den Chef, denn sie kosten Arbeit: Neue Kräfte müssen gesucht und eingearbeitet werden. Darüber hinaus schädigt ein sich häufig drehendes Personalkarussel das Image des Unternehmens. Wenn der Chef seine Angestellten nicht halten kann, gibt das Kunden und Vertragspartnern zu denken.

Retention Management will das verhindern. Sein Ziel: ein attraktives Arbeitsumfeld, das die Belegschaft auf Dauer an den Betrieb bindet. Zum Beispiel mit Weiterbildungsangeboten.

Welche Ursachen liegen Kündigungen zugrunde?

Doch bevor Sie nun womöglich willkürliche Maßnahmen gegen eine hohe Abwanderungsquote ergreifen, sollten Sie sich fragen, warum überhaupt Ihre Mitarbeiter gehen wollen. Handelt es sich um vermeidbare Kündigungen oder spielen persönliche Lebensumstände eine Rolle, die ein Bleiben unmöglich machen? Oftmals wollen Untergebene gehen, weil sie …

  • mit dem Gehalt unzufrieden sind.
  • das Betriebsklima schlecht ist.
  • geringe Entwicklungsmöglichkeiten bestehen.
  • die Arbeitszeiten ungünstig sind.

Stefan Huf, Managementprofessor von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart (DHBW), empfiehlt in der "Zeit" verunsicherten Arbeitgebern daher, Austrittsgespräche mit Wechselwilligen zu führen. So könne man den Gründen für die Kündigungen auf die Spur kommen und daraus lernen.

Mitarbeitergespräche als Analyseinstrument

Überhaupt ist die Kommunikation mit Ihren Angestellten ein ganz wichtiges und möglichst häufig zu nutzendes Element. So erfahren Sie in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen einerseits viel über die Stimmung in Ihrer Belegschaft und lernen andererseits die individuellen Bedürfnisse Einzelner kennen. Das erleichtert zum Beispiel die personelle Besetzung zukünftiger Projekte.

Weiterer Vorteil: Durch den Dialog schaffen Sie ein Vertrauensverhältnis sowie eine gute Basis für mehr Zufriedenheit unter den Beschäftigten. Auf der anderen Seite bietet Ihnen das Mitarbeitergespräch auch die Chance, Ihre eigenen Interessen zu formulieren und ein Feedback zu geben. Merke: Nur wenn es Ihnen gelingt, die gegenseitigen Ansprüche immer wieder aufeinander abzustimmen, schaffen Sie eine Grundlage für einen langfristigen gemeinsamen Weg.

Retention Management: "Harte Faktoren"

Doch welches sind nun geeignete Instrumente für das Retention Management? Eines vorweg: Es gibt keine allgemeingültigen Rezepte, die bei jedem Mitarbeiter funktionieren. Denn bevor ein Angestellter selbst kündigt, hat er meistens einen langen und ein komplexen Prozess durchgemacht. Entsprechend breit aufgestellt sollte auch das Handlungsfeld des Retention Managements sein.

Die Leuphana Universität in Lüneburg hat eine Studie herausgebracht, die verschiedenste Instrumentarien zur Mitarbeiterbindung im Mittelstand thematisiert. Darin werden sogenannte weiche und harte Faktoren beschrieben.

Als harte Faktoren gelten jene Instrumente, die der Befriedigung der finanziellen und materiellen Anreize dienen. Dazu gehören beispielsweise

  • Gehaltserhöhungen,
  • betriebliche Altersvorsorge,
  • Unternehmensbeteiligungen
  • Firmenwagen und andere Benefits.

Diese Mittel wurden in der Vergangenheit vielfach benutzt, um die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu steigern und diese so zu binden. Praktisch: Solche Maßnahmen sind leicht umzusetzen und erzielen eine schnelle und leicht messbare Wirkung.

Tatsächlich ist die Aussicht auf eine Gehaltserhöhung für viele Leistungsträger wichtig. Entscheidend für das Bleiben ist sie allein jedoch nicht, denn Benefits haben laut der Studie auf die Mitarbeiterbindung eine immer geringere Auswirkung.

"Weiche Faktoren" zur Mitarbeiterbindung

Wer Retention Management betreibt, sollte stattdessen auch weiche Faktoren zur Mitarbeiterbindung einbeziehen. Hierzu zählt beispielsweise die Unternehmenskultur. Der Schlüssel zu loyalen Mitarbeitern liegt nämlich in einem offenen und gesunden Betriebsklima. Erweisen Sie Ihren Mitarbeitern Wertschätzung und räumen Sie Reizthemen aus. Schon das hellt die generelle Stimmung im Unternehmen auf.

In diesem Zusammenhang spielt auch Ihr Führungsstil eine gewichtige Rolle: Je besser dieser ankommt, desto stärker ist die Bindungskraft. Haben Sie bei Problemen und Fragen also stets ein offenes Ohr für Ihre Mitarbeiter, geben Sie konstruktive Feedbacks und stellen Sie sich umgekehrt selbst auf Rückmeldungen ein. Welche Fehler Sie bei der Mitarbeiterführung tunlichst vermeiden sollten, lesen Sie im Beitrag "Schlechter Führungsstil: Die 5 schlimmsten Fehler von Chefs".

Retention Management auf Mitarbeiterebene

So viel zu den weichen Faktoren mit allgemeinem Unternehmensbezug. Es gibt aber auch welche, die konkret auf den einzelnen Mitarbeiter abzielen. Retention Managemeint bedeutet hier beispielsweise das Anbieten von beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten. Dabei sind der Aufstieg auf der Karriereleiter und das damit einhergehende Gehaltsplus nur ein Aspekt. Ein weiterer ist für Ihre Angestellten die Chance, eigene Fertigkeiten und Fähigkeiten zu verbessern. Und davon haben natürlich auch Sie etwas.  Weiterbildungsangbebote in Form von diversen Kursen, Mentorings oder Trainings sind daher wichtige Instrumente zur Mitarbeiterbindung.

Darüber hinaus ist eine gesunde Balance zwischen Arbeits- und Privatleben für viele Mitarbeiter ausschlaggebend für ein langfristiges Verbleiben. Überstunden, die weder ausgezahlt noch abgebummelt werden dürfen, wirken auf Dauer sehr frustrierend. Die Folge sind Demotivation und auch die Gefahr von Kündigungen. Mit flexiblen Arbeitszeiten können Sie einen Ausgleich schaffen und die Leistungsfähigkeit Ihrer Mitarbeiter erhöhen. So fördern Sie Lösungen, von denen beide Seiten profitieren.

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