Wie Smart Contracts das Vertragswesen verändern

In vielen Bereichen könnten Smart Contracts bald bisherige Verträge ablösen. Denn sie sind nicht nur schneller einsetzbar und deutlich flexibler, sondern auch genauso sicher.

Definition Smart Contracts Smart Contracts sind übersetzt schlaue Verträge. Sie können ohne eine dritte Partei abgeschlossen werden. Darüber hinaus lassen sich Smart Contracts an Bedingungen knüpfen, durch die sie von selbst beginnen, bestehen bleiben oder sich auflösen.
Die schlauen Verträge lassen sich etwa von einem freigegebenen Netzwerk verifizieren und verzichten deshalb auf einen Anwalt oder Notar. Das kann viel Zeit und Kosten sparen.

Durch ihre elektronische Form können Smart Contracts zudem Konditionen enthalten, die automatische Reaktionen auslösen. So treten sie etwa selbstständig in Kraft, sobald eine beteiligte Partei eine bestimmte Bedingung erfüllt. Ebenso kann ein Smart Contract Sanktionen in die Wege leiten, sollte ein Partner einen laufenden Vertrag nicht mehr erfüllen.

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Ein Beispiel: Der Leasingvertrag für einen Wagen startet automatisch, indem der Vertragspartner die erste Rate überweist. Kann er drei Monate später das Geld nicht mehr bezahlen, registriert der Smart Contract die fehlende Zahlung und gibt die Informationen über eine Verbindung an das Auto weiter.

Der Wagen könnte dann so programmiert sein, dass er aufgrund der fehlenden Zahlung selbstständig Sanktionen verhängt. So ist es möglich, dass sich die Tür nicht mehr öffnen lässt oder das Fahrzeug nicht mehr anspringt, bis die Rate überwiesen ist.

Schlaue Verträge können diverse solcher Konditionen enthalten und komplexe Strukturen abbilden. Damit haben sie in vielen Bereichen deutliche Vorteile gegenüber Verträgen im Papierformat. Vor Fälschungen sind Smart Contracts zudem besonders gut geschützt. Sie basieren auf einer Blockchain, die nur mit extrem viel Aufwand manipuliert werden kann.

Smart Contracts Smart Contracts eignen sich für diverse Branchen und Formen von Verträgen. (© 2018 Shutterstock / Panchenko Vladimir)

Von der Blockchain zum schlauen Vertrag

Die Blockchain macht das Entstehen und Ausführen von Smart Contracts erst möglich. Bei dieser Technologie handelt es sich um eine Art Speichersystem, das Daten in Blöcken zusammenfasst und verschlüsselt. Aneinander gehängt bilden diese Datenblöcke eine Kette, die für beliebig viele Personen in einem Netzwerk freigegeben werden kann.

Diese Personen verifizieren dann die Transaktionen, wie in dem Beispiel das Bezahlen der ersten Rate und das anschließende Inkrafttreten des Leasingvertrags. Vorteil: Was bei klassischen Verträgen Tage oder sogar Wochen dauern kann, geht im Netzwerk über die Blockchain in wenigen Sekunden.

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Als sicher gelten die Verträge auf Basis von Blockchains, weil die in der Kette gespeicherten Daten oder Transaktionen unveränderbar sind. Das schützt sie vor Manipulation. Zusätzlich sichern sie ihre Verschlüsselung und das Netzwerk ab. Denn jeder aus dem Netzwerk verfügt ständig über eine Kopie der Blockchain. Ein Hacker müsste über die Hälfte der Kopien verändern, um einen Smart Contract zu manipulieren. Dies gilt als unwahrscheinlich bis unmöglich.

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Ursprünglich entwickelt wurde diese Form der Datenspeicherung für Bitcoins. Bei der Kryptowährung werden die Transaktionen als Blockchain abgelegt. Aber die Technologie bietet deutlich mehr Möglichkeiten, auch noch weit über Smart Contracts hinaus. Mehr zur Blockchain und der Frage, welche Branchen besonders von der Kette profitieren können, gibt es im Telekom-Podcast Nummer 7 mit dem Thema „Blockchain: Chancen und Risiken einer Technologie-Revolution“.