Der Trend ist smart

Smarte Fernseher, Musikanlagen, Stromzähler, Alarmanlagen, Heizungen und automatische Rollläden: Smart-Home-Produkte liegen im Trend. Nach einer repräsentativen Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchführte, haben drei von vier der befragten Bundesbürger, darunter 304 Besitzer von Smart-Home-Anwendungen, positive Erfahrungen mit der smarten Technik für zu Hause gemacht.

So zufrieden sind Nutzer mit ihren Smart-Home-Anwendungen
  • Automatische Rollläden: 90%
  • Smart-TV: 89%
  • Stromzähler: 89%
  • Smarte Musikanlagen: 86%
  • Heizungen: 85%
  • Alarmanlagen: 84%
  • Smarte Beleuchtung: 79%

Quelle: Repräsentative Umfrage von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Dabei wurden 3.169 Bundesbürger ab 14 Jahren befragt, darunter 304 Besitzer von Smart-Home-Anwendungen.

„Die Nutzer erleben die Vorteile, welche die intelligente Vernetzung im Haus bieten kann, jeden Tag“, erklärt Robert Spanheimer den Trend. Spanheimer ist Bitkom-Referent für Smart Grids & Smart Home und kennt sich mit dem Thema gut aus. „Smart Living macht das Wohnen sicherer und komfortabler und hilft häufig auch, Heizenergie zu sparen“, sagt er. Inzwischen steuern intelligente Sprachassistenten wie Alexa die Geräte auf Zuruf.

Boom-Markt Smart Home

Laut der Studie „Der deutsche Smart-Home-Markt 2017 bis 2022“ vom eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. und von Arthur D. Little liegt die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate in den kommenden fünf Jahren bei satten 26,4 Prozent. Bis 2022 sollen sich die Umsätze auf 4,3 Milliarden Euro verdreifachen.

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Damit Unternehmen das riesige Marktpotenzial ausschöpfen können, müssen sie den Autoren der Studie zufolge jedoch „Teil eines funktionierenden Ökosystems werden“. Das heißt, die Verantwortlichen sollten offen sein für eine Integration und Kooperation mit Lösungen aus anderen Branchen und Technologien.

 Umsatz im deutschen Smart-Home-Markt Der Umsatz im deutschen Smart-Home-Markt soll bis 2022 auf 4,3 Milliarden Euro wachsen. (© 2018 eco)

Die Chancen für den Mittelstand sind riesig

Das Erfolgsrezept lautet: ein funktionierender Daten- und Informationsaustausch zwischen Geräten unterschiedlicher Hersteller und vor allem Nutzerfreundlichkeit. „Im internationalen Wettbewerb setzen sich Plattformen durch, die durch Offenheit die Innovationskraft von Partnerunternehmen und Startups nutzen, um neue Anwendungen für ein Produkt zu entwickeln und die Wertschöpfung zu teilen“, erklärt Lars Riegel, leitender Analyst bei Arthur D. Little.

„Das Ziel sollte es sein, mit offenen Systemen zu arbeiten und anderen Marktteilnehmern Zugang zum eigenen Produkt zu bieten, damit neue vernetzte Services entstehen können. In diesem Umfeld sehen wir riesige Chancen für den deutschen Mittelstand.“ Doch auch andere wittern die große Chance: Viele deutsche Startups haben sich im Smart-Home-Bereich etabliert. Fünf Neulinge, die von sich reden machen:

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01: KIWI: Sesam, öffne dich für Mehrfamilienhäuser
Die Idee für KIWI entstand an einem regnerischen Novembertag in Berlin: Mitgründerin Claudia Nagel steht mit Baby und Einkaufstüten vor der Tür und kann ihren Haustürschlüssel nicht finden. „Warum gibt es hier noch keine intelligente, schlüssellose Lösung?“, fragt sie sich und erzählt Sicherheitsexperten Christian Bogatu, den sie aus ihrer Zeit bei McKinsey kennt, von ihrer Idee. Er ist sofort begeistert und holt den Juristen und Unternehmer Peter Dietrich als dritten Mitgründer ins Boot. Gemeinsam gründen sie 2012 die KIWI.KI GmbH in Berlin mit heute rund 50 Mitarbeitern. Zum Gründerteam stieß der New Yorker Hard- und Software- Programmierer Jeff Katz, der gemeinsam mit dem Gründertrio die komplette Systemarchitektur für KIWI entwirft. Mit dem KIWI Ki lassen sich Türen per Funktechnik öffnen, wenn der KI in der Nähe ist. Es können auch Türöffnungs-Termine für Handwerker vergeben werden. Diese melden sich per Smartphone an, dann öffnet sich die Tür. KIWI ist für alle Türen eines Mehrfamilienhauses erhältlich, auch nur gemeinschaftlich genutzte Türen, wie Haustüren und Kellertüren, lassen sich mit KIWI ausstatten und über das KIWI-Portal zentral verwalten. Inzwischen sind über 58.000 Wohneinheiten an die KIWI-Infrastruktur angeschlossen.

Zur Webseite: kiwi.ki

KIWI Gründerteam V.l.n.r.: Peter Dietrich, Dr.-Ing. Claudia Nagel und Dr.-Ing. Christian Bogatu (© 2018 KIWI)

02: tink: Vergleichsplattform und Online-Shop
Überwachungskameras, Thermostate, Rolllädenöffner, Bewegungsmelder: Bei der Fülle der Smart-Home-Angebote kann man schon mal den Überblick verlieren. Für Durchblick im Gerätedschungel wollen die Gründer Julian Hueck und Marius Lissautzki von tink sorgen. 2016 gingen sie mit ihrer Plattform tink in Berlin daran, Smart-Home-Produkte zu vergleichen und zu erklären. Dabei nimmt ein Expertenteam die Anwendungen nach acht Kriterien – etwa, wo die Daten gelagert werden, wie aufwendig die Installation oder wie das Preis-Leistungs-Verhältnis ist, unter die Lupe. Ihre gewählten Produkte können die Kunden – vorerst in Deutschland und Österreich – dann auch gleich auf der Plattform ordern. Zu den Investoren des Startups zählen Vattenfall, ProSiebenSat.1 und Rocket Internet, das Startup beschäftigt rund 30 Mitarbeiter.

Zur Webseite: www.tink.de

Julian Heck und Marius Lissautzki Julian Hueck und Marius Lissautzki (© 2018 tink)

03: Homefort: Sicherheit für alle
Nachdem Oliver Kremers auf seinem Grundstück einem Einbrecher begegnete, wollte er sein Eigenheim mit einer Alarmanlage sichern und staunte nicht schlecht, wie komplex und teuer eine Profi-Lösung ist. Vom Hersteller über den Monteur bis hin zum Sicherheitsdienst haben Interessenten es mit unterschiedlichsten, allesamt teuren Ansprechpartnern zu tun. Daraus entwickelte sich seine Geschäftsidee: 2015 gründete der langjährige Vertriebsprofi und ehemalige Stipendiat der Deutschen Telekom an den Fachhochschulen Köln/Dieburg in Saarbrücken sein Startup Homefort. Mit seinen Smart-Security-Alarmanlagen stellt er in Kombination mit Wachdienstleistungen und einer 24/7-Verbindung zu einer Notrufzentrale Privatkunden Sicherheitsleistungen aus einer Hand zur Verfügung, die sonst in Deutschland fast ausschließlich Unternehmen oder zahlungskräftigen Privatpersonen vorbehalten sind. Das Startup mit mittlerweile sechs Mitarbeitern bietet drei Leistungspakete an, die auf der Basis einer monatlichen Grundgebühr gebucht werden können.

Zur Webseite: www.homefort.de

Oliver Kremers Homefort-Geschäftsführer Oliver Kremers (© 2018 Homefort)

04: COQON: Das Smart-Home-Ökosystem
COQON mit Standorten in Bremen und Bonn konzentriert sich seit 2014 – zunächst unter dem Namen Neusta Next – auf technische Lösungen für das „Intranet der Dinge“. Mit der gleichnamigen Smart-Living-Lösung COQON entwickelte das 17-köpfige Team von Gründer und CEO Andreas Kadler ein funkvernetztes, modulares Smart-Home-Ökosystem, das vielfältige Automatisierungslösungen rund ums Haus einschließt und offene Schnittstellen für andere Hersteller bietet. Die Produktion erfolgt ausschließlich in Europa. COQON Professional richtet sich exklusiv an den Fachhandel, COQON Basic an Endverbraucher.

Zur Webseite: www.coqon.de

Andreas Kadler COQON-Gründer Andreas Kadler (© 2018 COQON)

05: Senic: Die bequeme Art, das Smart Home zu steuern
Felix Christmann, Philip Michaelides und Tobias Eichenwald stammen aus Elternhäusern, die Produkte fürs Zuhause entwickeln und herstellen. So kam ihnen 2013 die Idee, bessere Lösungen für die Interaktion mit Technologie zu entwickeln, also weg von bildschirmbasierten Steuerungen wie etwa übers Smartphone. Ganz Startup-mäßig gründeten sie Senic in ihrer Wohnung in Berlin-Kreuzberg. Sie entwickelten zunächst das Interface NUIMO, mit dem Geräte via Geste gesteuert werden. Das neueste Produkt ist COVI, das 2017 auf Kickstarter gelauncht wurde. Damit werden die Geräte per Sprachbefehl gesteuert. Senic zählt mittlerweile über 20 Mitarbeiter, deren Hintergründe von Design über Psychologie bis hin zur Ingenieurwissenschaft reichen.

Zur Webseite: www.senic.com/de

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